Einigung mit EU
Eon lässt mehr Wettbewerb beim Gas zu

Freiwillig geht nicht viel, aber auf gehörigen Druck reagieren auch die größten Riesen: Eon wird seine Geschäftspraktiken beim Gas-Geschäft ändern. Der deutsche Energiekonzern lässt auf Druck der EU-Kommission mehr Wettbewerb zu. Aber nicht ohne Gegenleistung.
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DÜSSELDORF. Deutschlands größte Gasgesellschaft Eon Ruhrgas hat den jahrelangen Streit mit der EU-Kommission um ihre Marktmacht beigelegt. Das Unternehmen verpflichtete sich nach eigenen Angaben, Wettbewerbern Kapazitäten in seinen Importleitungen zur Verfügung zu stellen. Die EU will die Zusagen in den kommenden Monaten prüfen, wird ihre Ermittlungen gegen Eon Ruhrgas aber vermutlich einstellen.

Die Kommission hatte 2006 im Rahmen einer europaweiten Razzia bei Energiekonzernen auch die Geschäftsräume des größten deutschen Gasimporteurs und-großhändlers durchsuchen lassen. Sie warf dem Unternehmen vor, seine beherrschende Stellung auszunutzen, um Konkurrenten aus dem Markt zu halten. Eon Ruhrgas importiert Gas unter anderem aus Russland und Norwegen und liefert es an Großkunden aus der Industrie sowie Kommunalversorger. Der Marktanteil lag damals bei rund 50 Prozent und liegt heute immer noch über 40 Prozent.

Die Kommission warf Eon Ruhrgas vor allem vor, Konkurrenten den Zugang zum Gasnetz zu verwehren, indem das Unternehmen selbst einen großen Teil der Leitungen langfristig belegt. Eon Ruhrgas sagte der Behörde jetzt aber zu, einen Teil der langfristig gebuchten Kapazitäten wieder in den Markt zu geben. Die Netztochter Eon Gastransport werde diese an interessierte Konkurrenten vermarkten. In zwei Schritten werde Eon Ruhrgas so bis Oktober 2015 die eigenen langfristigen Importkapazitäten auf 54 Prozent verringern.

Die EU-Kommission bestätigte die grundsätzliche Einigung. Sie will die Zusagen aber, wie in einem solchen Verfahren üblich, einem Markttest unterziehen. Dazu wird sie Konkurrenten befragen, ob die Maßnahmen geeignet sind, um den Wettbewerb voranzubringen.

Für Eon Ruhrgas erhöhen sich durch die Zusagen die Risiken im Importgeschäft. Die Gasproduzenten pochen in der Regel auf langfristige Verträge. Eon Ruhrgas hat etwa mit der russischen Gazprom Verträge bis über 2030 hinaus abgeschlossen. Um das Gas abnehmen zu können, benötigt das Unternehmen Platz in den Pipelines. Eon Ruhrgas muss jetzt zusätzlich zu den langfristigen Buchungen, die das Unternehmen noch behalten darf, sich auch kurzfristig Kapazitäten besorgen.

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