Einigung mit Gazprom auf Beteiligung an Gasfeld
Eon verstärkt Engagement in Russland

Nach jahrelangen Verhandlungen haben sich die Energiekonzerne Eon und Gazprom über die Beteiligung an dem westsibirischen Gasfeld Yushno Russkoje geeinigt. Damit hat ein unrühmliches Kapitel ein gutes Ende gefunden.

DÜSSELDORF Eon-Chef Wulf Bernotat hat das jahrelange Gezerre um einen Einstieg in die russische Gasförderung doch noch zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht: Nach einer vierjährigen Hängepartie unterzeichnete er am Donnerstag mit Gazprom-Chef Alexej Miller im Rahmen der deutsch-russischen Regierungskonsultationen in St. Petersburg den Vertrag über eine Beteiligung von knapp 25 Prozent am westsibirischen Feld Juschno Russkoje. Eon reduziert im Gegenzug seine Beteiligung an Gazprom von 6,5 auf rund 3,5 Prozent und gibt die Aktien an den russischen Branchenriesen zurück. Das zu verkaufende Paket hat zur Zeit einen Wert von knapp vier Mrd. Euro.

Bernotat beendet damit ein unrühmliches Kapitel. Bereits vor vier Jahren hatte er mit Miller eine grundsätzliche Vereinbarung geschlossen, allerdings keine Details vereinbart. Seither streiten die Partner über das Tauschverhältnis. Besonders ärgerlich für Bernotat: Konkurrent BASF hat sich schon vor drei Jahren einen Anteil von 25 Prozent gesichert.

Weil mit dem rasant steigenden Ölpreis auch der Gaspreis und damit der Wert des Feldes konstant kletterte, hat sich die Verhandlungsposition Gazproms gegenüber Eon stetig verbessert – was die Russen den deutschen Verhandlungspartner auch nachdrücklich spüren ließen. Lag der Ölpreis vor vier Jahren noch unter 40 Dollar je Barrel, notiert er zur Zeit bei rund 100 Dollar und dürfte nach Einschätzung von Branchenexperten in den kommenden Jahren weiter steigen.

Eigentlich wollten die Russen ihre Verhandlungsmacht nutzen, um von Eon lukrative Beteiligungen in Westeuropa zu bekommen. Zwischenzeitlich forderten sie sogar eine Beteiligung an Eon Ruhrgas, später waren es ungarische Töchter und Kraftwerke. Dass sie jetzt doch noch eingelenkt haben, dürfte am Einfluss der russischen Regierung auf den staatlich kontrollierten Konzern liegen, heißt es in Branchenkreisen. Diese habe nach den Spannungen durch die Georgienkrise demonstrieren wollen, dass westliche Investoren in Russland eine Chance haben.

Eon fällt die Trennung von dem Aktienpaket vergleichsweise leicht. Es handelt sich dabei um Gazprom-Aktien, die im Joint-Venture Gerosgaz gepoolt waren. Eon hätte sie nicht ohne weiteres am Markt verkaufen können. Die restlichen Gazprom-Aktien des Konzerns sind dagegen frei handelbar. Auch betrachtet Eon den Anteil inzwischen nicht mehr als strategische, sondern als Finanzbeteiligung. Auch ist die Dividendenrendite eher bescheiden Gazprom dürfte ebenfalls ein Interesse daran haben, das gepoolte Paket aufzulösen. Und mit dem Tausch gegen Aktien ist zumindest eine finanziell gerechte Lösung gefunden. Es ist zwar absehbar, dass sich mit steigendem Gaspreis der Wert von Juschno Russkoje weiter erhöht, allerdings auch der Wert von Gazprom, dem weltgrößten Gasproduzenten.

Das Feld gilt als äußerst lukrativ. Seine förderbaren Reserven von 600 Milliarden Kubikmetern würden reichen, um die russischen Exporte nach Deutschland 15 Jahre lang komplett abzudecken. Zudem ist es – verglichen mit anderen russischen Gasfeldern – leicht zugänglich. Die Produktion wurde im vergangenen Jahr aufgenommen und dürfte schon im kommenden Jahr 25 Milliarden Kubikmeter pro Jahr erreichen. Damit ließen sich rund zehn Mill. Haushalte versorgen.

Für Eon ist der Einstieg in die russische Gasförderung strategisch sinnvoll. Der Konzern will in Anbetracht des immer härteren Kampfes um die Ressourcen nicht nur mit Gas handeln, sondern sich selbst Zugang zur Produktion verschaffen. Er hat sich zum Ziel gesetzt, 2010 rund zehn Mrd. Kubikmeter pro Jahr aus eigenen Quellen zu decken. Allein Juschno Russkoje würde hierzu sechs Mrd. beisteuern.

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