Einsatz von Recycling-Rohstoffen
Müll und Schrott sparen Milliarden

Die deutsche Wirtschaft spart durch Recycling. Der Einsatz von brauchbaren Stoffen aus dem Müll, in der Branche Sekundärrohstoffe genannt, entlastet die deutsche Volkswirtschaft jährlich um 3,7 Mrd. Euro.

BERLIN. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor, die der Bundesverband der Entsorgungswirtschaft (BDE) gestern gemeinsam mit dem IW in Berlin präsentierte.

Nach Angaben des IW werden heute durch den Einsatz wiederverwertbarer Abfälle rund 20 Prozent der Kosten für Metallrohstoffe und drei Prozent der Kosten für Energieimporte eingespart. „Die wirtschaftlichen Vorteile der Sekundärrohstoffe liegen vor allem in einer Kostenersparnis verglichen mit der Produktion mit Primärmaterialien“, sagte IW-Chef Michael Hüther. Sekundärrohsstoffe würden im Betrieb eingesetzt, wenn es sich rechne. Für die Gesamtwirtschaft folge daraus, dass Importe von Primärrohstoffen durch inländische Wertschöpung ersetzt würden. „Daraus resultiert ein höheres Bruttoinlandsprodukt“, sagte Hüther. Da wegen der wachsenden Rohstoffnachfrage aus Ländern wie China langfristig eher mit weiter steigenden Rohstoffpreisen zu rechnen sei, werde die Bedeutung von Sekundärrohstoffen tendenziell weiter steigen, sagte Hüther. Bereits heute stelle die Nutzung von Sekundärrohstoffen „zumindest in einzelnen Bereichen eine wichtige Alternative der Rohstoffversorgung dar“, sagte Hüther. Möglicherweise lasse sich diese Alternative noch ausbauen.

Auch veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen machen eine Verwertung von Sekundärrohstoffen interessant. So gilt seit Juni 2005 die Technische Anleitung Siedlungsabfälle (Tasi), die eine Deponierung unbehandelter Siedlungsabfälle verbietet. Stattdessen werden die Abfälle nun verbrannt. Die Verbrennung ist jedoch erheblich teurer als die Deponierung. Die Entsorgungsunternehmen sind daher bestrebt, die Verbrennungsvolumina so gering wie möglich zu halten. Daher gilt es, so viel wie möglich an Wertstoffen aus dem Abfall herauszuholen. Beim Sammeln, Sortieren, Wiederverwerten und Entsorgen von Abfall sei Deutschland für viele im Ausland das Vorbild, sagte BDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Harmening.

Den größten Einspareffekt leisten Sekundärrohstoffe bei der Elektrostahlerzeugung. Allein hier wurden laut IW nach den erheblichen Preissteigerungen im Jahr 2005 Importe in Höhe von 2,3 Mrd. Euro überflüssig. Die deutschen Stahlerzeuger setzten im Jahr 2004 insgesamt 20,6 Mill. Tonnen Stahlschrott ein. Dies entspricht einer Recycling-Quote von gut 44 Prozent. Auf Platz zwei folgt die Aluminiumproduktion, wo das Einsparvolumen 700 Mill. Euro betrug.

Die Nutzung von Sekundärbrennstoffen – etwa Altreifen als Brennmaterial – steuerte 340 Mill. Euro bei, das Recycling von Verpackungen erbrachte Einsparungen in einem Volumen von 225 Mill. Euro. Dank eines gut funktionierenden Kreislaufs bei Verpackungen hat Deutschland nach Angaben des BDE bei Glas (87,7 Prozent), Papier (87,7), Weißblech (81,6), Aluminium (72,3), Getränkekartons (64,4 Prozent) und Kunststoffen (53,8) die weltweit höchsten Wiederverwertungsquoten.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
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