Einschätzung von Branchenexperten
Henkel-Einstieg bei Beiersdorf unwahrscheinlich

Der seit Monaten für möglich erachtete Einstieg von Henkel bei Beiersdorf wird nach Einschätzung von Branchenexperten zunehmend unwahrscheinlich. Henkel wollte am Mittwoch einen Zeitungsbericht nicht kommentieren, wonach der Düsseldorfer Konzern einen Einstieg bei dem Hamburger Nivea-Hersteller prüft.

Reuters DÜSSELDORF. „Wir kommentieren Spekulationen grundsätzlich nicht“ sagte ein Henkel-Sprecher, der damit eine Aussage von Henkel-Chef Ulrich Lehner vom Montag bekräftigte. Die „Financial Times Deutschland“ hatte der Debatte neue Nahrung gegeben und Unternehmenskreise bei Henkel mit dem Satz zitiert: „Wir prüfen das Thema Beiersdorf intern eingehend.“

Branchenexperten sehen Henkel nicht als Favoriten für die Übernahme der 43,6-prozentigen Beteiligung der Allianz an Beiersdorf. „Ich halte einen Einstieg von Henkel für relativ unwahrscheinlich,“ sagte WestLB-Analyst Michael Winkler. Für die Tchibo-Holding sei es interessanter, ihre Beteiligung an Beiersdorf auf mehr als 50 % aufzustocken im Vergleich zu dem Reiz, den eine Minderheitsbeteiligung an Beiersdorf auf Henkel ausüben könnte, sagte Winkler. Die Hamburger Kaufmannsfamilie Herz hält insgesamt 39,6 % an der Tchibo-Holding, die wiederum mit 30,36 % an Beiersdorf beteiligt ist.

Petra Meyer von Sal. Oppenheim sagte, Henkel habe die interne Vorgabe, dass sich ein Zukauf binnen eines Jahres rechnen müsse. Dies sei aber beim Erwerb einer Mehrheit an Beiersdorf unwahrscheinlich. „Zudem geht bei der Allianz auch die Dringlichkeit eines Verkaufs zurück vor dem Hintergrund der sich erholenden Kapitalmärkte.“ Auch wegen ihrer im Frühjahr erfolgten Kapitalerhöhung und den Erlösen aus Beteiligungsverkäufen stehe die Allianz weniger unter Druck.

Ein weiterer Analyst sagte, Henkel und Beiersdorf würden zwar perfekt zusammenpassen, allein aus seinen flüssigen Mitteln werde es Henkel aber nicht schaffen, die angestrebte Mehrheit bei Beiersdorf zu übernehmen. Der Preis werde voraussichtlich bei mehr als dem Doppelten des Jahresumsatzes liegen und sei mit rund elf Mrd. € wohl noch konservativ gerechnet.

Denkbar sei zwar ein Tausch von Anlagevermögen, doch werde die sehr homogen auftretende Familie Henkel sich wohl kaum mit der zerstrittenen Familie Herz in ein Boot begeben. Die Geschwister hatten sich in der vergangenen Woche nach jahrelangem Streit um Einfluss auf die Tchibo-Holding auf eine Trennung verständigt. Diese Klärung der Eigentümerstruktur solle es der Allianz erleichtern, ihre Beiersdorf-Anteile an Tchibo zu verkaufen, hatte es dazu aus Industriekreisen geheißen.

Der Hamburger Kaffeeröster Tchibo hatte vor wenigen Tagen erklärt, er sei an einer Mehrheitsübernahme von Beiersdorf zu einem „fairen Preis“ interessiert. Als mögliche weitere Interessenten für die Beiersdorf-Beteiligung der Allianz waren daneben auch der französische Kosmetikkonzern L'Oreal, der US-Konsumgüterhersteller Procter & Gamble und die britisch-niederländische Unilever-Gruppe genannt worden.

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