Einschätzung von Branchenexperten
Risikokapital für Biotech bleibt knapp

Die deutschen Biotechunternehmen werden es nach Einschätzung von Branchenexperten weiter schwer haben, Geldgeber zu finden. Davon sind vor allem Firmen, die noch über kein Produkt in einer fortgeschrittenen Entwicklungsstufe verfügen, betroffen.

HB FRANKFURT. Von etwa 360 deutschen Biotechunternehmen seien 140 auf Geld von Risikokapitalgebern (VC) angewiesen, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, Mitorganisator der BioEurope 2003, am Montag in Frankfurt mit. Bis Mitte kommenden Jahres werden etwa 50 davon eine Finanzierungssumme in Höhe von insgesamt 400 Mill. € benötigen - etwa doppelt so viel wie im vergangenen Jahr. Ein Fünftel der Firmen stehe in vierten Finanzierungsrunden und verfügten bereits über in der Entwicklung fortgeschrittene Produkte. Die restlichen Biotechfirmen suchten Geldgeber für erste, zweite oder dritte Runde.

Nach Einschätzung des VC-Fonds HBM ist es indes schwierig, Investoren für die deutsche Biotechbranche zu begeistern. Deutschland sei mit der Zahl von Biotechunternehmen in Europa zwar führend. „Da deutsche Unternehmen noch relativ jung sind, haben sie aber noch nicht die Dichte an Produkten in der Marktvorbereitung erreicht wie etwa britische Firmen“, urteilte Justin Duckworth von HBM am Rande der Konferenz.

Schwierigkeiten werden Experten zufolge jene Firmen haben, die über die ersten Finanzierungsrunden kommen müssen. Die meisten Kapitalgeber seien eher an Unternehmen interessiert, die Produkte in der späten Entwicklung vorweisen können. Derzeit hat noch kein deutsches Biotechunternehmen ein selbst entwickeltes Produkt auf den Markt gebracht. Als eines der wenigen Biotechunternehmen ohne Geldproblemen gilt die Martinsrieder GPC Biotech. Die Firma hat ein Krebsmedikament in der letzten Phase der klinischen Entwicklung.

In Deutschland haben es Biotechfirmen Experten zufolge auf Grund der staatlichen Förderung Mitte des vergangenen Jahrzehnts zudem zu leicht gehabt. „Das Problem in Deutschland ist, dass es zu viele Unternehmen gibt, die eigentlich nur Laborprojekte sind“, sagte Duckworth. Die Branche kranke an der staatlichen Finanzierung, mit der Wettbewerb in Deutschland unterbunden werde. Förderprogramme würden benutzt, um Firmen am Leben zu halten, die im freien Markt kein Geld bekämen. „Staatliches Geld sollte in Zusammenarbeit mit privaten Geldgebern verteilt werden, damit die besten Unternehmen überleben“, sagte Duckworth.

Allein in den vergangenen zwei Jahren mussten nach Einschätzung von Fred Brown von der Life Science Sparte von IBM 50 Unternehmen in Deutschland Insolvenz anmelden. „Etwa 50 weitere Firmen sind in Bedrängnis.“ Das Geld sei knapp und es dauere immer länger, bis Vereinbarungen zu Stande kämen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%