Einschätzungen von Unternehmensberater Tejpavan Gandhok
Interview A.T. Kearney: "Indiens Unternehmer gewinnen an Selbstvertrauen"

Tejpavan Gandhok ist Vice President der Unternehmensberatung A.T. Kearney in Neu-Delhi. Mit ihm sprach Oliver Müller.

Herr Gandhok, Privatunternehmer bilden das Rückgrat von Indiens Wirtschaft. Gibt das dem Land einen Vorteil gegenüber China, dessen Wachstum mehr von Staat und Auslandsinvestoren getrieben wird?

Zum Teil schon. Indien muss mehr Auslandskapital anziehen, will es sein riesiges Potenzial in höheres Wachstum ummünzen. Aber Chinas staatlich getriebenes Entwicklungsmodell ist ineffizient. Indien geht mit Kapital viel besser um. Damit steht das Land auf einer stabileren Basis. Seine Privatunternehmen müssen sich ohne Staatshilfe im harten Konkurrenzumfeld bewähren. Das schafft bessere Voraussetzungen für internationalen Erfolg. Im Vergleich zu chinesischen sind indische Unternehmen besser gemanagt, profitabler, transparenter und aktionärsfreundlicher.

Warum drängen indische Konzerne trotz ihres schnell wachsenden Heimatmarkts so stark auf die Weltmärkte?

Sie erkennen ihre Wettbewerbsvorteile, gewinnen Selbstvertrauen und merken, dass „made in India“ nicht länger als Zeichen schlechter Qualität gilt. Indien klettert jetzt die Wertschöpfungsleiter hoch wie zuvor Japan, Taiwan und Korea.

Diese Länder sind zu führenden Herstellern vieler Industriegüter avanciert. Indien macht bislang aber nur bei Dienstleistungen von sich reden. Wird sich das ändern?

Die Ansicht, Indien sei nur für Dienstleistungen gut, China dagegen in der Industrieproduktion unschlagbar, vereinfacht zu sehr. Indien ist nicht nur bei IT weltweit konkurrenzfähig, sondern in allen forschungs- und entwicklungsintensiven Industriebereichen: bei Feinchemie, Pharma, Autozulieferern, Anlagenbau und Elektronik. In diesen Branchen werden auch Übernahmen mit indischer Beteiligung zunehmen, und zwar in beide Richtungen.

Werden indische Firmen bald auch in milliardenschwere Deals verwickelt sein, mit denen China derzeit Schlagzeilen macht?

Das wird kommen. Im Moment machen viele Firmen ihre ersten, vorsichtigen Schritte nach Übersee. Werden diese mit Erfolg belohnt, folgen größere Zukäufe. IT- und Pharmafirmen werden die ersten großen Deals abschließen, aber auch andere indische Firmen werden viel stärker im Ausland investieren.

Wird dies Indien eine nennenswerte Zahl multinationaler Unternehmen bescheren, oder bleibt es bei Einzelfällen?

Die Internationalisierung gewinnt an Schwung, IT-Firmen wie Infosys, Wipro und TCS sind längst globale Größen. Pharmafirmen wie Ranbaxy oder Dr. Reddy, aber auch Ingenieurkonzerne wie Larsen & Toubro und BHEL haben eine Zukunft als weltweite Player. Und die Logik diktiert eine Kombination indischer Unternehmen mit schläfrigen Mittelständlern in Deutschland und Amerika, deren Standortvorteile erodieren. Irgendwann wird ein Private-Equity-Fonds eine Firma wie Lonza oder Degussa kaufen und mit seiner Tochter in Indien verschmelzen. Denn die Verbindung von westlicher Technologie mit günstigen Produktions- und Entwicklungsstätten dort verspricht große Synergien.

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