Einsparungen
Ende der Idylle bei Volvo

Der schwedische Autobauer Volvo will 2 000 seiner knapp 25 000 Stellen streichen. Wie das zum US-Konzern Ford gehörende Unternehmen am Mittwoch in Göteborg mitteilte, soll dabei sowohl in Produktion wie in der Verwaltung Personal eingespart werden. Damit reagiert die Konzernmutter Ford auf den Verlust des schwedischen Autoherstellers.

STOCKHOLM/FRANKFURT. Volvo will insgesamt 2 000 seiner knapp 25 000 Stellen streichen. Der schwache Dollar, hohe Rohstoffpreise und die lahmende Konjunktur seien für die Sparmaßnahmen verantwortlich, sagte Volvo-Chef Fredrik Arp gestern am Konzernsitz im schwedischen Göteborg. Das Unternehmen, das zum US-Konzern Ford gehört, will seine Kosten auf diesem Weg um vier Mrd. Kronen (425 Mill. Euro) senken.

Rund 1 200 Stellen werden in den Fabriken in Schweden gestrichen. 300 Arbeitsplätze fallen dem Rotstift im belgischen Gent zum Opfer. Darüber hinaus kündigt Volvo etwa 500 nicht festangestellten Beratern.

Die Krise für die Edelmarke hatte sich schon seit Monaten angedeutet: In einem Gespräch mit dem Handelsblatt hatte Volvo-Chef Arp bereits im vergangenen Herbst auf die schwierige Situation in den USA hingewiesen und von einem „kollabierten US-Markt” gesprochen. Rund ein Viertel aller jährlich 458 000 verkauften Volvos geht in die USA, wird aber in Europa gebaut. Infolge des absackenden Dollarkurses summieren sich nach Angaben des Unternehmens die Währungsverluste der vergangenen fünf Jahre auf rund eine Mrd. Euro. Allein im ersten Quartal habe Volvo umgerechnet knapp 97 Mill. Euro Verlust gemacht. Deshalb schloss Arp nicht aus, künftig auch Volvos in den USA zu produzieren. Dies braucht jedoch einige Jahre Vorlauf.

Ford-Chef Alan Mulally greift mit den drastischen Sparmaßnahmen wenige Wochen nach der Attacke des neuen Großaktionärs Kirk Kerkorian auf Volvo bei den Schweden ein. Der streitlustige Milliardär Kerkorian, der inzwischen rund 6,5 Prozent an Ford hält, hatte Mulally im Mai aufgefordert, sich von der Konzernmarke Volvo zu trennen. Mulally hatte 2007 selbst eine Trennung von der schwedischen Marke erwogen, diesen Plan aber im Herbst verworfen. Nunmehr scheint das Thema allerdings beim Ford-Management wieder auf der Agenda zu stehen. Analysten schließen nicht aus, dass Ford mit dem neuen Sparpaket Volvo für einen möglichen Käufer attraktiv machen will. Nach mehreren Presseberichten soll Ford mit chinesischen Investoren über einen Kauf der schwedischen Tochter verhandeln. Auch ein russischer Investor sei an der PKW-Marke interessiert, hieß es. Analysten wie Matts Carlsson vom Göteborg Management Institute halten das jedoch für unwahrscheinlich. „Volvo zu verkaufen ist derzeit äußerst schwierig“, sagte er und wies unter anderem auf die gemeinsame Technik in den meisten Ford- und Volvo-Modellen hin. Ganz anderer Meinung ist Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Es ist sehr gut möglich, dass Ford die Braut für einen Verkauf schön macht”, sagte er.

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