Einstellung des Topmanagements sei ausschlaggebend für Wachstum
Kröger :„Wachstum ist ein Handwerk“

Bis 1965 hatte Deutschland die Führung auf sehr vielen Märkten. Heute ist Deutschland nur noch in wenigen Branchen führend. Unternehmensberater Fritz Kröger sprach mit dem Handelsblatt über die mangelnde Risikobereitschaft deutscher Manager.

Handelsblatt: Herr Kröger, wie steht Deutschland derzeit da im internationalen Wettbewerb?

Kröger: Bis 1965 hatte Deutschland die Führung auf sehr vielen Märkten: In der Chemie- und Pharmaindustrie, der Elektroindustrie, im Automobilbau, der Motorradindustrie, dem Maschinenbau, bei der Konsumelektronik, in der Stahlindustrie und auch in der Fotobranche waren wir dominant. Heute sind wir nur noch in sehr wenigen Branchen führend.

Wie kam das?

Kröger: Das Drama begann in den Jahren nach 1968 mit der Fokussierung der Gesellschaft auf Konsum, Umverteilung und Klassenkampf. Es verbreitete sich ein Zeitgeist der Elitefeindlichkeit, des „Nicht-mehr- Kämpfen-müssens“ – und die Staatsquote stieg.

Und was ist in der Wirtschaft schiefgelaufen?

Kröger: Mit der ging es bergab, weil die Unternehmen schlichtweg vergessen haben zu wachsen. Sie haben eine teils unglaubliche Überheblichkeit entwickelt, ihren Kunden Produkte vorgesetzt, anstatt zu fragen, was sie wollen und es nie wirklich gelernt, Dienstleister zu sein.

Wie schafft Deutschland den Turnaround?

Kröger: Wenn man eine Nation voll auf Wachstum ausrichtet, dann kann man sich auch jede Hochschule und jede Umweltschutzinvestition leisten. Und das Wachstumsthema ist auch das wichtigste für die deutsche Industrie. Sie muss begreifen, dass in den nächsten Jahren eine Übernahme-Schlacht ablaufen wird, an der sie entweder aktiv gestaltend teilnimmt oder von der Bildfläche verschwindet. Dabei kommen wir mit organischem Wachstum in diesem globalen Kampf nicht aus. Es wird auch darum gehen, die Konsolidierung zu dominieren durch Fusionen und Akquisitionen.

Wie verträgt sich das mit der deutschen Fusions-Scheu?

Kröger: Ja, die Deutschen tun das nicht gern. Auch mir wurde auf der Hochschule eingebläut, dass organisches Wachstum das beste sei. Das hängt mit der großen Risikoscheu der Deutschen zusammen.

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