Einstellung gegen Geldauflage
Mannesmann-Prozess könnte böse Folgen haben

Für die Einstellung des Mannesmann-Verfahrens kassieren Richter und Staatsanwälte Prügel aus der Politik. Vom Freikaufen ist da die Rede und von Bevorzugung der Reichen. Weniger emotional reagiert ein Finanzexperte. Dabei sind die Auswirkungen, die er aus dem Verfahren ableitet, weitreichend: Er prophezeit, dass deutsche Unternehmen künftig einfacher aufzukaufen sein werden.

HB DÜSSELDORF/STUTTGART. „Aufsichtsräte werden bei der Bewilligung von Prämien ängstlicher und risikoscheuer handeln“, sagte Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft und Finanzen an der Universität Hohenheim bei Stuttgart. Das führe dazu, dass die finanziellen Anreize für Vorstände, in einem Übernahmekampf standhafter zu sein und so den Aktienkurs in die Höhe zu treiben, abnähmen. Dies lasse den Preis für deutsche Unternehmen sinken.

Wenn Sonderprämien für Vorstände von vornherein genau spezifiziert werden, wie vom Bundesgerichtshof in seinem Revisionsurteil verlangt, verlören sie ihre Anreizwirkung. Burghof wandte sich dabei gegen „eine Verrechtlichung von Lebensbereichen, die man nicht verrechtlichen sollte“ und verwies auf die negativen Auswirkungen: In einem Übernahmekampf werde das angegriffene Unternehmen beziehungsweise dessen Vorstand berechenbar. Dabei sei es Aufgabe des Managements, den Börsenwert des Unternehmens konsequent in die Höhe zu treiben, den Gegner abzuwehren oder eine Akquisition so teuer wie möglich zu machen, betonte Burghof.

Es komme darauf an, „dass der Aufsichtsrat genau die finanziellen Anreize setzt, die der jeweiligen Situation angepasst sind“. Im Falle von Mannesmann seien die Prämien erst im Nachhinein vereinbart worden, weil vorher niemand beurteilen konnte, wie gut sich der Vorstand schlagen würden, meinte Burghof zum konkreten Fall. Ex-Vorstandschef Klaus Esser, der mit auf der Anklagebank saß, hatte im Mannesmann-Prozess immer wieder auf den hohen Wertzuwachs für die Aktionäre während des Übernahmekampfes mit dem britischen Mobilfunkbetreiber Vodafone hingewiesen.

Der Ökonom begrüßte die Einstellung des Verfahrens. Es seien zu viele Zufälligkeiten im Spiel gewesen, das hätte am Ende keinen Rechtsfrieden gebracht. „Der Abbruch war daher die beste Entscheidung“. Burghof bedauerte allerdings, dass nicht die Frage der Rechtmäßigkeit der Zahlungen geklärt worden sei.

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