Einstieg bei EWE
Kartellamt bremst EnBW

Das Bundeskartellamt erhebt Bedenken gegen den Einstieg des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW beim Oldenburger Versorger EWE. Ein Zusammenschluss würde auf den Gasmärkten in Ostdeutschland „zur Verstärkung marktbeherrschender Stellungen“ der beiden Unternehmen führen, heißt es in einer Mitteilung der Behörde, die das Vorhaben nun ausgiebiger prüfen will.

BERLIN. Das Bundeskartellamt erhebt Bedenken gegen den Einstieg des baden-württembergischen Energiekonzerns EnBW beim Oldenburger Versorger EWE. Ein Zusammenschluss würde auf den Gasmärkten in Ostdeutschland "zur Verstärkung marktbeherrschender Stellungen" der beiden Unternehmen führen, heißt es in einer Mitteilung der Behörde, die das Vorhaben nun ausgiebiger prüfen will. Die ursprünglich am 8. Januar ablaufende Entscheidungsfrist werde bis zum 9. März verlängert.

EnBW und EWE zeigten sich trotz der Ankündigung des Kartellamts zuversichtlich. Die noch offenen Fragen könnten im Rahmen des verlängerten Prüfverfahrens geklärt werden, hieß es bei EnBW. Ein EWE-Sprecher sagte, angesichts des sehr komplexen Sachverhalts sei es absehbar gewesen, dass der Prüfvorgang nicht wie ein Standardprozess verlaufen werde. Eine Sprecherin des Bundeskartellamts bestätigte, der Ausgang des Verfahrens sei durchaus noch offen. Bei deutlichen Anpassungen sei es denkbar, dass der Zusammenschluss doch noch genehmigt werde.

EnBW und EWE hatten ihre Kooperation im Sommer angekündigt. Damals betonten beide Seiten, positive Signale der Kartellbehörde bekommen zu haben. EnBW will 26 Prozent der EWE-Anteile übernehmen und dafür zwei Mrd. Euro zahlen. Der Konzern verfügt über große Stromerzeugungskapazitäten, EWE dagegen ist vor allem im Gasgeschäft stark. Die Oldenburger halten 48 Prozent am ostdeutschen Importeur Verbundnetz Gas (VNG). Diesen Anteil wollen sie allerdings ebenso wenig an den neuen Partner abgeben wie EnBW seine Mehrheitsbeteiligung an den Düsseldorfer Stadtwerken.

Die beiden Unternehmen hatten angekündigt, bei erneuerbaren Energien sowie der Beschaffung und Speicherung von Gas zusammenarbeiten zu wollen. EnBW soll EWE zudem beim Aufbau konventioneller Stromerzeugungskapazitäten unterstützen. EnBW ist nach Eon und RWE der drittgrößte deutsche Stromkonzern, EWE sieht sich als Nummer fünf unter den Versorgern. Der Einstieg von EnBW wäre die größte Transaktion auf dem deutschen Energiesektor seit der Übernahme von Ruhrgas durch Eon im Jahr 2003. Die Beteiligung an EWE könnte unter anderem aus regionaler Perspektive sinnvoll sein. Während EnBW vor allem in Süddeutschland, Nordrhein-Westfalen und Sachsen aktiv ist, versorgt EWE Niedersachsen und Teile Ostdeutschlands.

Ein Unternehmen mit den Stromerzeugungskapazitäten des EnBW-Konzerns stößt bei einer Expansion innerhalb Deutschlands schnell an kartellrechtliche Grenzen. Die großen vier der Branche, neben Eon, RWE und EnWB noch der Vattenfall-Konzern, stehen für mehr als 80 Prozent der Stromerzeugungskapazitäten. Ihre starke Stellung ist vielen Politikern und Wettbewerbshütern seit langem ein Dorn im Auge. Die Kooperation von EnBW und EWE erschien auch darum besonders reizvoll, weil die Anbieter regional unterschiedliche Schwerpunkte haben und EWE zudem über keine großen Stromerzeugungskapazitäten verfügt.

Die Bedenken des Bundeskartellamts beziehen sich deshalb auch allein auf den Gasmarkt in Ostdeutschland. Im Strombereich dagegen gibt es nach Einschätzung der Kartellwächter "keine wettbewerblichen Bedenken gegen das Zusammenschlussvorhaben". str

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