Einstieg bei GM
Renault-Chef fährt volles Risiko

Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn hat sich einiges vorgenommen: Er lotet einen Einstieg beim weltgrößten Autobauer General Motors aus. Doch anders als seine beiden eigenen Unternehmen arbeiten die US-Amerikaner alles andere als profitabel. Experten prophezeien deshalb schwere Zeiten, kauft Goshn sich bei GM ein.

hz FRANKFURT. Die Börse hat schnell ein Urteil über einen Einstieg von Renault-Nissan bei GM gefällt: Während die GM-Aktie drastisch in die Höhe schoss, legten die Papiere von Renault und Nissan nur wenig zu. Renault werde von einer Zusammenarbeit mit GM kaum profitieren, urteilte die US-Investmentbank Morgan Stanley. Auf mittlere Sicht sehen die Analysten das Risiko, dass Ghosn den größten Teil seiner Zeit auf GM verwenden müsse und bei Renault seine Ziele aus den Augen verlieren könnte.

GM-Großaktionär Kirk Kerkorian hatte Ende vergangener Woche eine mögliche Liaison der Konzerne ins Gespräch gebracht und den US-Autohersteller zu einer Allianz gedrängt. Renault-Nissan erwägt laut Branchenkreisen, rund 20 Prozent an GM zu übernehmen. Ghosn spielt damit auf Risiko. Denn die Chancen und Risiken sind auf den ersten Blick ungleich verteilt. Während Renault-Nissan profitabel ist, steckt GM tief in der Verlustzone. Ghosn stünde künftig mit im Feuer, wenn sich die Probleme von GM verschärfen sollten. Der 52-Jährige Ghosn hat zudem mit der Führung von Renault und Nissan schon alle Hände voll zu tun. Nissan kämpft mit Absatzeinbrüchen auf wichtigen Märkten und Renault ist mit der Umsetzung eines ehrgeizigen Drei-Jahres-Plans beschäftigt.

„Für die Allianz von Renault und Nissan ist ein Einstieg bei GM ein großes Risiko, denn die Sanierung des Autobauers wird noch Jahre dauern“, warnte Koji Endo, Auto-Analyst der Credit Suisse. „Wenn es allerdings klappt, könnten die Firmen massiv profitieren.“ Vor allem in den Bereichen Einkauf, Produktion sowie bei Forschung und Entwicklung sind deutliche Skaleneffekte und damit drastische Kostensenkungen möglich. So könnten die Unternehmen bei der milliardenschweren Entwicklung neuer Antriebe zusammenarbeiten, Fahrzeuge auf gleichen Komponenten entwickeln und auch im Vertrieb von den Stärken der Partner profitieren. Renault hätte einen starken Verbündeten bei einem möglichen Sprung auf den US-Markt, und auch Nissan als Spätstarter im boomenden chinesischen Markt könnte von GM Unterstützung erhalten.

Doch Experten warnen, dass eine Renault-GM-Allianz nicht mit dem Konzernverbund zwischen Franzosen und Japanern zu vergleichen sei. So waren damals beim Einstieg die Machtverhältnisse klar geregelt und die Überschneidungen auf den wichtigsten Märkten gering. Mit einem 20-Prozent-Anteil könnte Ghosn dagegen keine effektive Kontrolle über den wesentlich größeren US-Konzern übernehmen. Zudem konkurrieren beide Konzerne auf großen Märkten massiv miteinander. So erzielt Nissan auf dem Heimatmarkt von GM inzwischen etwa 70 Prozent seines operativen Gewinns. Auch in Europa wären GM und Renault-Nissan direkte Konkurrenten. „Ein Erstarken von GM würde das Margenniveau und das Wachstumspotenzial von Nissan Motor gefährden“, urteilt Analyst Albrecht Denninghoff von der Hypo-Vereinsbank. Interessenskollisionen sind damit programmiert.

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