Einstieg bei Kamaz auf der Kippe
Daimlers Russland-Deal wackelt

Der geplante Einstieg von Daimler beim russischen LKW-Marktführer Kamaz steht auf der Kippe. Im Führungskreis des Stuttgarter Autobauers mehren sich Stimmen, die das Projekt auf die lange Bank schieben wollen.

STUTTGART/BERLIN/FRAKFURT. „Kamaz hat keine hohe Priorität mehr“, sagte eine mit der Situation vertraute Person dem Handelsblatt. Ein Abschluss werde möglicherweise erst 2009 erfolgen und nicht mehr in diesem Jahr, räumt auch Andrej Scharonow, Chef von Troika Dialog, ein. Die russische Investmentbank ist Daimlers Verhandlungspartner.

Daimler kommentierte: „Wir befinden uns in der Due Diligence“, sagte eine Sprecherin. Bis Ende des Jahres werde es eine Entscheidung geben, ob Daimler bei Kamaz einsteigen wird oder nicht. Russland sei weiterhin ein interessanter Lkw-Markt, fügte sie hinzu. Neben den Einstieg beim russischen Konkurrenten prüfe Daimler auch weiterhin die Option, ein eigenes Werk in Russland zu bauen.

Daimler will mit dem Einstieg bei Kamaz einen Fuß in die Tür zu Europas größtem LKW-Markt bekommen – und zwar auf einen Schlag. Vor allem das breite Händler- und Servicenetz der Russen lockte die Stuttgarter.

Auch für Kamaz, den größten Nutzfahrzeughersteller des Landes, schien das Geschäft verlockend. Die Russen verkauften zwar zuletzt 53 000 LKWs im Heimatmarkt und fuhren einen Umsatz von 2,7 Mrd. Euro ein. Der Konzern aber gilt als Restrukturierungsfall. Da die Modellpalette internationalen Ansprüchen nicht genügt, sucht Kamaz einen Partner.

Daimler-LKW-Chef Andreas Renschler hatte jüngst betont, man wolle bis Ende dieses Jahres „da durch sein, so oder so“. Doch die Chancen sinken, dass die Stuttgarter beim russischen LKW-Marktführer 2008 noch zugreifen werden.

Die Buchprüfung der Schwaben bei den Russen soll in diesen Tagen abgeschlossen werden. Offensichtlich scheut Daimler aber das Risiko einer Milliardeninvestition für eine Minderheitsbeteiligung in der derzeitigen Lage. Weil Nutzfahrzeuge traditionell zu den konjunktursensibelsten Investitionsgütern gehören, haben sich die Erwartungen der Hersteller wegen der drohenden Rezession weltweit massiv eingetrübt.

Eine Daimler-Sprecherin sagte dazu nur, es werde derzeit geprüft, ob das Unternehmen bei Kamaz einsteige oder selbst ein LKW-Werk in Russland baue. Daimlers LKW-Chef Renschler hatte ebenfalls angekündigt, dass die Stuttgarter im Falle eines Scheiterns des Projekts in Russland Lastwagen in Eigenregie montieren würden. Es geht dabei auch um die Vermeidung von Importzöllen von bis zu 30 Prozent.

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