Einstieg bei Turbinenbauer Silowyje weiter ungewiss
Russisches Kartellamt hält Siemens hin

Der Einstieg des Münchener Elektrokonzerns Siemens bei Russlands führendem Turbinenbauer Silowyje verzögert sich. Die Anti-Monopol-Behörde in Moskau hat am Freitag die Entscheidung über eine Beteiligung der Deutschen an dem bisher zur Interros-Holding des Oligarchen Wladimir Potanin gehörenden Firma vertagt.

HB MOSKAU. Man habe Siemens um weitere Informationen zur künftigen Eigentümerstruktur gebeten, sagte ein Sprecher des Moskauer Kartellamts. Der Behörde liegt nach eigenen Angaben bislang nur ein Schreiben vom 6. Juli vor, in dem Siemens die Übernahme von 71 Prozent an Silowyje beantragt.

Wie es in unternehmensnahen Kreisen heißt, will Siemens ein Joint Venture mit der Silowyje-Mutter Interros bilden. Dieses Gemeinschaftsunternehmen soll die 71 Prozent halten, die Interros derzeit an Silowyje gehören. Siemens soll an dem Joint Venture 50 Prozent minus eine Aktie halten, dafür aber die Management- Kontrolle bekommen. Das Kartellamt teilte jetzt mit, ihm sei die entsprechende Siemens-Erklärung vom 23. Juli nicht bekannt.

Siemens hatte zuvor die Übernahme der gesamten 71 Prozent angestrebt. Allerdings hatte sich der Kreml laut Moskauer Medienberichten gegen eine deutsche Mehrheitsbeteiligung ausgesprochen, da Silowyje wegen Projekten im Atomkraftwerksbau und der Rüstungsindustrie als strategisches Unternehmen gilt und unter besonderer Aufsicht des Staates steht. Die neue Lösung einer Minderheitsbeteiligung sei nach „intensiven Konsultationen mit der Regierung zu Stande gekommen“, berichten Beteiligte.

Siemens will in drei bis fünf Jahren 200 Mill. Dollar in die Modernisierung von Silowyje stecken und dafür das Recht erhalten, seine Beteiligung an dem Gemeinschaftsunternehmen aufzustocken. Nach Handelsblatt-Informationen sollen die Atom- und Rüstungsbereiche zuvor ausgegliedert werden. Bisher hält Siemens knapp fünf Prozent der Silowyje-Aktien.

Die Regierung in Moskau hat bislang noch kein grünes Licht für den Einstieg der Deutschen gegeben. Zudem hat der Kreml gerade eine Liste mit Unternehmen veröffentlicht, die nur mit ausdrücklicher Genehmigung von Präsident Wladimir Putin privatisiert werden dürfen. Darunter sind neben den Energieriesen Gazprom und UES der Pipelinebetreiber Transneft, Raumfahrt- und Rüstungskonzerne und die von der Regierung zur Privatisierung freigegebenen drei russischen Fluglinien. Überraschend steht auf der Liste auch der Triebwerkshersteller Permskije Motory, für den Ausländer Interesse zeigen. In Anbetracht dessen sei auch unklar, ob Siemens eine große Beteiligung an Silowyje genehmigt werde, heißt es in Moskau.

Der Hamburger ist nach Stationen als Auslandskorrespondent in Moskau, Brüssel und Warschau jetzt Auslandschef des Handelsblatts. Er interessiert sich besonders für Osteuropa, die arabische Welt und Iran.
Mathias Brüggmann
Handelsblatt / Korrespondent
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