Einstieg beim Versorger
Gazprom gibt sich bei RWE desinteressiert

Die Spekulationen, dass der russische Energieriese Gazprom beim deutschen Versorger RWE einsteigen wolle, reißen nicht ab. Doch die Russen dementieren: Es gebe keine derartigen Gespräche. Dabei könnte Gazprom sogar auf die Hilfe des Düsseldorfer Oberbürgermeisters zählen.

HB MOSKAU. „Es gibt derzeit keine Verhandlungen über den Erwerb von Anteilen“, sagte eine Gazprom-Sprecherin am Dienstag in Moskau auf Anfrage. Auch eine Beteiligung an Töchtern der RWE AG sei nicht geplant. Dagegen hatte es in Unternehmenskreisen geheißen, Gazprom sondiere mehrere Optionen, sich bei westeuropäischen Versorgern einzukaufen. „RWE steht dabei oben auf der Liste“, sagte eine mit der Situtation vertraute Person dem Handelsblatt. Eine Mehrheitsübernahme dürfte dabei angesichts der komplexen Aktionärsstruktur von RWE aber nicht im Fokus stehen. Als eher wahrscheinlich wird in Branchenkreisen eine Minderheitsbeteiligung in Kombination mit einer strategischen Partnerschaft gesehen – etwa beim Vertrieb von Gas oder dem Bau von Kraftwerken.

Während es in den Unternehmenskreisen heißt, noch seien die Überlegungen in einem sehr frühen Stadium, wird in Finanzkreisen schon über konkrete Schritte spekuliert. Investmentbanker berichten über den Aufkauf von RWE-Aktien aus Russland. Die Käufe würden durch mehrere Quellen getätigt, um nicht die Meldeschwelle von 5 Prozent zu überschreiten, hieß es. Ob dahinter aber Gazprom oder russische Finanzanleger stehen, blieb unklar. RWE wollte sich zu den Spekulationen nicht äußern.

Im Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin (CDU) hätte Gazprom sogar einen Verbündeten für einen Einstieg bei RWE. Die Stadt sei bereit, ihren etwa einprozentigen Anteil an RWE zu verkaufen, sagte Erwin am Dienstag. Gazprom sei aber noch nicht an ihn herangetreten und auch er habe noch keinen Kontakt zu den Russen aufgenommen. Er gehe aber davon aus, dass es den Wunsch Gazproms geben werde, sich an RWE zu beteiligen.

Düsseldorf könnte schuldenfrei werden

Düsseldorf hält wie viele Kommunenen Anteile an RWE. Im konkreten Fall sind es 5,2 Mill. RWE-Aktien mit einem aktuellen Börsenwert von rund 430 Mill. Euro. Würde Düsseldorf sein Aktienpaket verkaufen, wäre die Stadt auf einen Schlag schuldenfrei. Ursprünglich hatte die Stadt rund 15 Mill. RWE-Aktien. Diese wurden in den vergangenen Jahren teilweise am Markt verkauft, auf einen anderen Teil wurde eine Wandelanleihe begeben. „Wir wären töricht, wenn wir ein gutes Angebot ausschlagen würden“, sagte Erwin. Die Stadt stehe aber nicht unter Verkaufsdruck. Ein RWE-Sprecher sagte, die Aktionäre seien frei in ihren Entscheidungen.

Gazprom strebt seit längerem nach Westen. Dem Konzern wurde immer wieder ein großes Interesse an einem Einstieg bei RWE und auch bei Eon Ruhrgas nachgesagt. Eon hatte aber deutlich gemacht, daran kein Interesse zu haben. Der Konzern ist selbst mit 6,4 Prozent an seinem wichtigsten Erdgaslieferanten beteiligt. Spekulationen, dass Gazprom ein Angebot zur Übernahme des größten britischen Gasversorgers Centrica vorlegen könnte, hatten in Großbritannien zu Protesten aus der Politik geführt.

Der Düsseldorfer Oberbürgermeister hat dem Bericht zufolge keine derartigen Bedenken. „Die deutschen Konzerne werden längst in ihrer überwiegenden Mehrheit von ausländischen Anteilseignern kontrolliert“, sagte Erwin der „Rheinischen Post“ (Dienstagsausgabe). Aus seiner Sicht spreche nichts gegen einen russischen Aktionär bei RWE.

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