Einstieg erwogen
Katar klopft bei EADS an

Zuerst war es Dubai, jetzt ist es Katar: Der Golf-Staat prüft wie sein Nachbar den Einstieg beim europäischen Luft- und Raumfahrtkonzern EADS, der Mutter des Flugzeugbauers Airbus. Die Schatulle der Scheichs ist prall gefüllt. Dem Vernehmen nach wären sie bereit, kräftig hineinzulangen.

HB MÜNCHEN/DOHA. Die Investment-Behörde Katars führe bereits Gespräche mit EADS, sagte ein Mitarbeiter des Außenministeriums am Montag. Der Reiz geht dabei von dem im vergangenen Jahr stark gefallenen Aktienkurs aus. Scheich Hamad bin Dschassim bin Dschaber al-Thani, Chef der Behörde und führendes Regierungsmitglied, sagte in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Falls wir glauben, es ist zum richtigen Wert, hätten wir nichts dagegen, eine EADS-Beteiligung selbst bis zu 10 Prozent zu nehmen.“ Damit würde der Golf-Staat zum drittgrößten Aktionär hinter Deutschland und Frankreich.

An der Börse reagierten die Anleger positiv auf das mögliche finanzielle Engagement vom Persischen Golf. In Frankfurt stiegen EADS-Aktien um mehr als 2 Prozent auf 25,58 Euro. An der Finanzkraft Katars zweifelt niemand: Der Investmentfonds wird aus den Überschüssen der Erdgas- und Öl- Geschäfte gespeist und ist rund 40 Mrd. Dollar schwer.

Bereits im November war bekannt geworden, dass – teils staatliche – Investoren aus Dubai und anderen arabischen Emiraten mit einem EADS-Einstieg liebäugeln. Der europäische Konzern ist schon heute Spielball mehrerer Staaten. Neben den beiden wichtigsten Ländern Deutschland und Frankreich ist unter anderem noch Spanien mit 5 Prozent an EADS beteiligt und würde gerne mehr Mitspracherechte bekommen. Die staatliche russische Vneshtorgbank ist bei EADS in vergleichbarer Höhe engagiert.

EADS kämpft derzeit mit massiven Problemen bei Airbus, vor allem beim Prestigeobjekt A380. Schwierigkeiten beim Einbau der 500 Kilometer langen Verkabelung führten zu Lieferverzögerungen des Großraumflugzeugs von mittlerweile fast 2 Jahren. Airbus rutschte dadurch 2006 in die roten Zahlen und vermieste auch EADS die Bilanz für das vergangene Jahr.

Keine Einigung bei Sparprogramm

Das Sparprogramm Power 8 soll Airbus nun aus der Krise führen. Allerdings haben sich die Verantwortlichen bislang nicht auf Details verständigen können. Eine Sitzung des Führungsgremiums sei am Sonntag unterbrochen worden, teilte EADS am Montag mit. Damit sei der Zeitplan, am Dienstag die Betriebsräte und die Öffentlichkeit zu informieren, nicht mehr zu halten. In den nächsten Tagen solle weiter an einer Lösung gefeilt werden.

In Deutschland stehen nach Gewerkschaftsangaben gut 10 000 der 23 000 Stellen auf der Kippe stehen. Zwei der insgesamt sieben deutschen Airbus-Werke – Varel und Nordenham – droht das Aus. Mit Power 8 will Airbus die Kosten bis 2010 um 5 Mrd. Euro senken, anschließend sollen es 2 Mrd. pro Jahr sein.

Hochrangige Politiker hatten das EADS-Management zuletzt ermahnt, die Lasten der Sanierung gerecht auf Deutschland und Frankreich zu verteilen. Einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ zufolge soll der A380 weiter im Hamburger Werk produziert werden. Dies habe das operative Führungsgremium am Sonntag beschlossen, berichtete das Blatt ohne Angabe von Quellen. EADS wollte den Bericht nicht kommentieren. Zwischenzeitlich war spekuliert worden, die arbeitsteilige Produktion des Flugzeugs könne ganz nach Toulouse verlegt werden.

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