Einstieg in Lybien
Gazprom kreist Europa noch weiter ein

Erst Algerien, jetzt Lybien: Der russische Gas-Riese verstärkt sein Engagement in Nordafrika. Damit werden die europäischen Staaten noch abhängiger von den Lieferungen des Staatskonzerns - die EU Kommission ist misstrauisch.

BERLIN. Der staatlich kontrollierte russische Gaskonzern Gazprom, der Europa bisher schon zu fast einem Drittel mit Erdgas versorgt, schneidet die EU immer weiter von Alternativen ab: Nach seinem Engagement bei Algeriens Staatsenergiekonzern Sonatrach steigt Russlands größtes Unternehmen nun auch in Libyen ein. Partner dabei wird Italiens Eni. Eine entsprechende Vereinbarung für die gemeinsame Förderung von libyschem Erdgas und den Bau einer Pipeline von Nordafrika nach Europa schlossen Eni-Chef Paolo Scaroni und Gazprom auf der Staatsdatscha des russischen Noch-Präsidenten Wladimir Putin in Nowo-Orgarjowo bei Moskau. Das bestätigte jetzt Gazprom-Sprecher Sergej Kuprianow.

Putin wird außerdem morgen nach Tripolis reisen, um den libyschen Revolutionsführer Muammar el Gaddafi zu treffen. Dabei geht es nach russischen Presseberichten neben Energieprojekten auch um ein großes Rüstungsgeschäft.

Im Westen wird das verstärkte Gazprom-Engagement außerhalb Russlands mit Argusaugen verfolgt: Der Kremlkonzern kauft sich derzeit weltweit - von Südamerika über Nordafrika bis in den Irak - in Öl- und Gasprojekte ein. "Während Europa schläft, greift Gazprom weltweit zu und wird zum Global Player, der seinen Griff auf Europa immer weiter verstärkt", meint Igor Tomberg, der Energieexperte des Moskauer Instituts für Weltwirtschaft und Internationale Beziehungen: "Gazprom umzingelt Europa geopolitisch."

In der EU-Kommission wird dies argwöhnisch beobachtet, sagte ein Sprecher von Energiekommissar Andris Piebalgs. Vor allem das Nordafrika-Engagement der Russen sei dabei im Fokus. Denn nach Russland und vor Norwegen liefert heute schon Algerien mit 13 Prozent des EU-Gasbedarfs die zweitgrößte Erdgasmenge nach Europa. Zudem hat Gazprom kürzlich Milliarden-Investitionen in Gasprojekte in Nigeria angekündigt.

An Libyen sind allerdings neben Eni und der BASF-Tochter Wintershall sind auch andere europäische Energiekonzerne interessiert. Denn Ghaddafi hat sein Land für ausländische Investoren geöffnet. Eni ist traditionell der größte ausländische Partner der libyschen Gasindustrie und hat gerade angekündigt, seine Erdgasproduktion dort zu verdoppeln und eine Gaspipeline, die acht Mrd. Kubikmeter libysches Erdgas nach Südeuropa transportieren soll, durch das Mittelmeer zu transportieren.

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