Einstieg ins Impfgeschäft
Johnson&Johnson will Crucell übernehmen

US-Pharmariese Johnson&Johnson strebt eine Übernahme des niederländischen Biotechnologie-Unternehmens Crucell an. Für die Aktien will das Unternehmen rund für 1,75 Mrd Euro auf den Tischlegen, dass entspricht einem Aufschlag von 58 Prozent auf Aktienkurs. Für die Crucell-Großaktionäre ist das Angebot noch zu "mager".
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HB AMSTERDAM/WIEN. Der US-Pharmariese Johnson&Johnson strebt eine Übernahme des niederländischen Biotechnologie-Unternehmens Crucell an. Für die Aktien will das Unternehmen rund für 1,75 Mrd Euro auf den Tischlegen, dass entspricht einem Aufschlag von 58 Prozent auf Aktienkurs. Für die Crucell-Großaktionäre ist das Angebot noch zu "mager". will sich mit der Komplettübernahme des niederländischen Biotechnologie-Unternehmens Crucell ins globale Impf-Geschäft katapultieren. J&J legt nach Angaben vom Freitag 1,75 Mrd. Euro für die Aktien auf den Tisch, die dem Konzern noch nicht gehören. Branchenexperten halten es für unwahrscheinlich, dass ein anderer Bieter den Zusammenschluss noch torpedieren wird. Damit bliebe mit der österreichischen Intercell nur noch ein unabhängiger Impfstoff-Entwickler in Europa. Die Wiener bekräftigten umgehend, ihre Selbstständigkeit bewahren zu wollen. Anleger spekulierten jedoch auf das Gegenteil - die Intercell-Aktie sprang um mehr als zehn Prozent in die Höhe.

Wegen ablaufender Patente haben zuletzt viele Pharmakonzerne Biotech-Unternehmen ins Visier genommen. So bietet der französische Pharmariese Sanofi-Aventis derzeit rund 18,5 Mrd. Dollar für das US-Biotechunternehmen Genzyme.

Johnson & Johnson ist derzeit noch gar nicht im Impfgeschäft vertreten. Crucell ist weltweit die Nummer Sechs der Branche und produziert etwa Impfungen gegen Grippe und Kinderkrankheiten.

Zudem arbeitet der Konzern an Wirkstoffe gegen Gelbfieber, Tuberkulose und Malaria. Crucell verspricht sich von der Übernahme eine Beschleunigung seines Entwicklungsprogramms dank der Finanzkraft von Johnson & Johnson. "Wir sind davon überzeugt, gemeinsam ein sehr starkes Team zu bilden", erklärte Crucell-Chef Ronald Brus.

Das Angebot entspricht einem Aktienpreis von 24,75 Euro - ein Aufschlag von 58 Prozent gegenüber dem Crucell-Schlusskurs vom Donnerstag. J&J hält derzeit einen Anteil von 17,9 Prozent an den Niederländern. Crucell-Aktien schossen dementsprechend rund 55 Prozent in die Höhe. Analysten sprachen von einem "K.O.-Angebot" und erwarten daher keine Bieterschlacht um Crucell. Allerdings erklärte der zweitgrößte Crucell-Aktionär nach Johnson & Johnson, die Van Herk Group, das Angebot sei "mager" und komme zu früh. Dieser Meinung seien auch andere Aktionäre. Es sei jedoch noch keine Entscheidung gefallen, ob ein formales Übernahmeangebot akzeptiert werde oder nicht.

Branchenexperte Jan de Kerpel von KBC Securities wertete den potenziellen Zusammenschluss als Beleg dafür, dass es nur noch eine Frage der Zeit sei, bis auch andere erfolgreiche Biotechnologie-Unternehmen von etablierten Pharmariesen geschluckt würden.

Der Wiener Impfstoffentwickler Intercell betonte demgegenüber jedoch seinen Willen, selbstständig zu bleiben. Die Unabhängigkeit von den Pharmariesen sei immer das Ziel der Gesellschaft gewesen und dies solle auch so bleiben, sagte Unternehmenschef Gerd Zettlmeissl. "Wir denken, als unabhängiges Unternehmen viel Wert generieren zu können. Wir tun dies seit zehn Jahren sehr erfolgreich", fügte er an.

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