Einstieg ins Russland-Geschäft
Russen tricksen RWE aus

RWE-Chef Jürgen Großmann stößt bei seiner angekündigten Expansion auf neue Probleme: Der Energiekonzern muss jetzt um die bereits sicher geglaubte und strategisch bedeutsame Beteiligung an einem russischen Stromerzeuger bangen, erfuhr das Handelsblatt aus Kreisen der beteiligten Unternehmen.

DÜSSELDORF/MOSKAU. Der russische Partner Sintez, mit dem RWE gemeinsam die Übernahme des Stromerzeugers TGK-2 stemmen will, verlangt für die Kooperation immer neue Zugeständnisse von den Deutschen. Dabei geht es um die von RWE zu leistende Einlage in ein neues Gemeinschaftsunternehmen, die das wirtschaftliche Risiko für RWE deutlich erhöhen würde. Es geht daneben aber auch um den künftigen Einfluss auf das operative Geschäft von TGK-2.

Seit Tagen verhandeln die beiden Parteien unter Hochdruck. Offenbar strebt das russische Unternehmen inzwischen die alleinige Kontrolle an, anders lässt sich das Verhalten bei den Verhandlungen mit RWE kaum mehr interpretieren, heißt es aus mit den Gesprächen vertrauten Kreisen, die allerdings auch eine mehr oder weniger gütliche Einigung noch nicht völlig ausschließen wollten.

Für RWE-Chef Großmann wäre ein Scheitern des Projekts problematisch. Zwar ist TGK-2 ein in Russland vergleichsweise kleiner Produzent. Mit 7 000 Mitarbeitern setzte die Firma zuletzt rund 600 Mill. Euro um und versorgte mittels 16 eigener Heizkraftwerke sieben Millionen Kunden mit Strom und Wärme. Zum Vergleich: RWE selbst setzte zuletzt 43 Mrd. Euro um und zählt 30 Millionen Kunden.

Dem geplanten Zukauf wird in Branchenkreisen aber eine hohe Symbolkraft beigemessen. RWE sollte nach jahrelangen Bemühungen endlich substanziell ins russische Geschäft einsteigen. TGK-2 verfügt über lukrative Standorte für neue Kraftwerke und böte eine gute Basis für die weitere Expansion im Osten.

Auch ist es die letzte Chance, sich überhaupt noch an der Privatisierung in Russland zu beteiligen. Die lukrativsten Unternehmen sind längst vergeben. Eon etwa konnte sich für über vier Mrd. Euro mit OGK-4 einen ungleich größeren Teil sichern.

Außerdem steht RWE-Chef Großmann unter Druck, weil der Nachfolger von Harry Roels bei der von ihm im vergangenen Herbst angekündigten Expansion bislang keine Erfolge vorweisen kann. So interessierte er sich erfolglos für die belgische Gasgesellschaft Distrigaz und den britischen Nuklearkonzern British Energy.

Umso erfreuter reagierte Großmann, als er Mitte März endlich einen Abschluss vorlegen konnte und zusammen mit Sintez den Zuschlag für die Kontrolle des Stromerzeugers TGK-2 im Nordwesten Russlands erhielt.

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