Einstieg von Abu Dhabi
Zetsche zähmt die Hedge-Fonds

Investoren haben mit Beifall auf den Einstieg eines Staatsfonds aus Abu Dhabi beim Autokonzern Daimler reagiert. Die Aktien des Herstellers zählten mit einem Plus von zeitweise mehr als acht Prozent zu den größten Dax-Gewinnern an der Börse, der Großteil der Gewinne schmolz im Tagesverlauf aber wieder ab. Daimler erhält mit dem Staatsfonds einen seit längerem angestrebten neuen Großaktionär.

FRANKFURT. „Das ist ein Investor mit langfristigen Interessen, der stabil ist“, sagte Marktstratege Heino Ruland von Ruland-Research. Michael Punzet von der DZ Bank vermutet, der Einstieg könnte kurzfristig Spekulationen auf weitere Aktienkäufe schüren.

Der Autokonzern erhält mit dem Staatsfonds einen seit längerem angestrebten neuen Großaktionär. Der langjährige Daimler-Großaktionär Deutsche Bank hatte Ende 2005 seinen Anteil auf unter fünf Prozent abgeschmolzen, einziger Großaktionär war seitdem Kuwait, das bislang rund 7,2 Prozent hält und nach der anstehenden Kapitalerhöhung etwa 6,9 Prozent haben wird. Der Finanzinvestor Dubai International Capital (DIC), der 2005 bei Daimler kurzzeitig mit zwei Prozent eingestiegen war, hatte sich dagegen bereits 2007 wieder weitgehend verabschiedet. Im vergangenen Jahr klopfte dann der schwedische Hedge-Fonds Cevian in Stuttgart an die Tür und machte sich gegenüber dem Vorstand für eine Zerschlagung des Konzerns stark.

Vor allem der drastisch gesunkene Aktienkurs der Stuttgarter schürte im Konzern seitdem Sorgen vor einem feindlichen Übernahmeversuch. Trotz der Trennung von Chrysler im Jahr 2007 pendelt der Börsenwert des Stuttgarter Autobauers auf historischen Tiefständen. Das macht den Konzern anfällig für Attacken aggressiver Aktionäre, die rasch Kasse machen möchten. Rund 20 Prozent des Grundkapitals werden laut Daimler von verschiedenen Finanzinvestoren gehalten. Die Chancen der Hedge-Fonds, aktiv Einfluss auf das Daimler-Management auszuüben, sind mit dem Einstieg Abu Dhabis deutlich gesunken.

Zusammen mit Kuwait kommt der Staatsfonds aus dem Nahen Osten im Regelfall auf eine Sperrminorität auf der Hauptversammlung und spricht damit in Zukunft ein gewichtiges Wort bei weitreichenden Entscheidungen mit. Laut Finanzkreisen war der Einstieg mit den Kuwaitern informell besprochen worden, diese hätten keine Einwände geäußert.

Anders als Kuwait, das als Großaktionär so gut wie nie öffentlich in Erscheinung getreten ist und sich mit Äußerungen zur Firmenpolitik fast komplett zurückhielt, strebt Abu Dhabi allerdings eine aktivere Rolle an. Dafür spricht schon der Umstand, dass der Staatsfonds laut Unternehmenskreisen intern bereits einen Aufsichtsratsposten bei Daimler für sich reklamiert hat. Kuwait, das mitten in der Ölkrise mit 14 Prozent bei Daimler eingestiegen war, hat dagegen bis heute keinen Vertreter im Kontrollgremium.

Daimler ordnet mit dem Einstieg der Araber seine Machtverhältnisse neu und füllt eine Lücke, die mit dem Abschied der Deutschen Bank vor vier Jahren entstanden war. Die Bank war zuvor jahrzehntelang der größte Anteilseigner der Stuttgarter gewesen. Schon die Geburt der Daimler-Benz AG wäre ohne ihre Hilfe nicht möglich gewesen. So vermittelte das Geldhaus 1926 die Fusion der Daimler-Motoren-Gesellschaft mit der Firma Benz & Cie zu Daimler-Benz. Auch später, die Bank besaß mittlerweile rund ein Drittel der Daimler-Aktien, griff sie ein.

Als 1975 der damalige Großaktionär Friedrich Karl Flick 39 Prozent der Anteile an den Schah von Persien verkaufen wollten, übernahm die Bank ein Aktienpaket. Erst das Ende der Deutschland AG machten der Allianz der Wirtschaftsflaggschiffe ein Ende. Doch hinter den Kulissen zieht die Bank weiter die Fäden: So beriet das Institut Daimler bei dem Abu-Dhabi-Deal und mit Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig hat das Geldhaus bis heute einen Vertreter im Daimler-Kontrollgremium.

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