Einstige Verbündete im Verwaltungsrat sind zu Gegnern geworden
Eurotunnel steht ein neuer Eklat bevor

Dem krisengeschüttelten Betreiber des Ärmelkanal-Tunnels Eurotunnel droht am Freitag auf der Hauptversammlung eine neue Konfrontation: Im Verwaltungsrat haben sich zwei Lager gebildet. Die Mitglieder Hervé Huas und Jean-Louis Raymond, die einst das Unternehmen führten, wollen Eurotunnel-Präsident Jacques Gounon entmachten. „Ich werde Jean-Louis Raymond als neuen Executive Chairman der Hauptversammlung vorschlagen“, sagte Huas dem Handelsblatt.

PARIS. Gounon habe keine klare Strategie und lasse es auf eine Konfrontation mit den Gläubigern von Eurotunnel ankommen, begründete er den Plan. Joseph Gouranton, der den Aktionärsschützer-Bund Adacte im Verwaltungsrat vertritt, entgegnet: „Raymond und Huas führten das Unternehmen, ohne die Aktionärsinteressen ausreichend zu berücksichtigen.“ Die beiden Ex-Manager werden vom Börsenbrief-Herausgeber Nicolas Miguet unterstützt; Eurotunnel-Präsident Gounon kann auf die Stimmen der Adacte und von Beratungsbüros für institutionelle Investoren wie ISS zählen.

Im Kern geht der Streit darum, wie mit den neun Mrd. Euro Schulden umzugehen ist, unter denen Eurotunnel zusammenzubrechen droht. Gounon tritt für eine harte Haltung gegenüber den Gläubigern ein. Er verlangt, die Schulden auf 3,3 Mrd. Euro herabsetzen. „Ich sehe nicht ein, warum Eurotunnel Schulden zurückzahlen sollte, die bereits von einigen Gläubigern abgeschrieben worden sind“, sagte Gounon der Tageszeitung „La Tribune“. An den Finanzmärkten würden die Schulden des Tunnelbetreibers derzeit nur mit vier Mrd. Euro bewertet. Seit 20. April laufen Verhandlungen mit den Gläubigern über eine Entschuldung.

Huas und Raymond werfen dem Eurotunnel-Präsidenten vor, mit dieser Haltung den Bestand des Unternehmens zu gefährden. Sie schlagen die Verbriefung der künftigen Einnahmen von Eurotunnel vor, um den Gläubigern eine Rückzahlungsperspektive bieten zu können.

Gouranton wiederum wirft den Ex-Managern vor, „um jeden Preis eine Einigung mit den Gläubigern“ erzielen zu wollen. Sie hätten sich „wie Alleinherren“ von Eurotunnel aufgeführt, ohne auf den Verwaltungsrat Rücksicht zu nehmen.

Am Freitag war Raymond im Streit mit dem Eurotunnel-Präsidenten Gounon von seinem Posten als Generaldirektor zurückgetreten. Er behält indes sein Mandat im Verwaltungsrat. Damit war endgültig die Front der Aktionärsrebellen zerbrochen, die vor einem Jahr das amtierende Eurotunnel-Management aus dem Amt gejagt hatte. Der Verein der Eurotunnel-Aktionäre Adacte (Association de défense des actionnaires d’Eurotunnel) hatte sich damals mit dem Börsenbrief-Herausgeber Miguet verbündet, um ein neues Management beim Tunnelbetreiber zu installieren. Als Integrationsfigur wählten die Rebellen Jacques Maillot, den Gründer des Reisekonzerns Nouvelles Frontières, zum neuen Präsidenten.

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