Ekkehard Schulz
Der einflussreiche Thyssen-Aufseher

Vier Mandate in den Dax-Kontrollgremien - so viele Sitze in den wichtigen Aufsichtsräten wie Ekkehard Schulz hat kaum jemand. Dabei dürfte es vorerst auch bleiben, nachdem er ein Mandat bei RWE abgelehnt hat.
  • 0

DüsseldorfDer scheidende Aufsichtsrat zählt zu den mächtigsten Konzern-Kontrolleuren der Republik - noch. Vier Mandate in Aufsichtsräten von Dax-Konzernen - Bayer, MAN, RWE und Thyssen-Krupp - können neben ihm nur noch drei andere vorweisen: Deutsche-Bank-Chefaufseher Clemens Börsig, der frühere SAP-Vorstandsvorsitzende Henning Kagermann und Unternehmer Theo Siegert.

Selbst Schulz' Vorgänger im Vorstand von Thyssen-Krupp, Gerhard Cromme, kann da nicht mithalten: Der amtierende Aufsichtsratschef des Stahlkonzerns und wahrscheinliche Nachfolger von Berthold Beitz als Kuratoriumsvorsitzender der Krupp-Stiftung hat nur drei Dax-Mandate, mit Thyssen-Krupp und Siemens allerdings zwei renommierte Positionen als Vorsitzender.

Chef eines Aufsichtsrats hätte Schulz auch längst sein können - und zwar beim benachbarten Stromkonzern RWE. Diese Position ist ihm mehrfach angetragen worden. Doch Schulz zögerte, griff nicht zu. Vielleicht ahnte er, dass ihn nach seinem Wechsel von der Vorstands- in die Aufsichtsratsetage des Stahlkonzerns im Januar 2011 Unannehmlichkeiten erwarten.

Der Aufsichts-Posten bei dem Energieversorger wird Schulz jedenfalls kein drittes Mal angeboten. Das Thema ist für die Räte des Stromversorgers seit Monaten durch. Und nach dem unrühmlichen Abgang bei Thyssen schwinden auch Schulz' Chancen, jetzt noch andere interessante Posten angeboten zu bekommen. Darüber sind sich Aufsichtsratskreise einig.

Zwar wird niemand Schulz jetzt drängen, seine Mandate bei Bayer, MAN oder RWE ebenfalls aufzugeben. Doch der Aufstieg ist ihm dort verwehrt. Beim Chemiekonzern Bayer läuft sich gerade Ex-Vorstandschef Werner Wenning nach der gesetzlich vorgeschriebenen Karenzzeit von zwei Jahren warm für den Vorsitz des Aufsichtsgremiums. Auch bei Linde dürfte Schulz so lange keine Chance haben, wie dort Manfred Schneider den Ton angibt. Denn Schneider ist zugleich Aufsichtsratsvorsitzender bei RWE.

Finanziell wird Schulz den Abschied von Thyssen-Krupp verschmerzen. Der Aufsichtsposten ist bescheiden bezahlt. 48000 Euro bekommt er für acht Monate Dienst als Kontrolleur. Andere Dax-Konzerne zahlen das Doppelte - mindestens.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

Kommentare zu " Ekkehard Schulz: Der einflussreiche Thyssen-Aufseher"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%