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Eklat bei Hauptversammlung: Aktionäre demontieren Balda-Spitze

exklusiv Nach monatelangem Leiden haben die Aktionäre der Balda AG am Dienstag zurückgeschlagen. Auf der Hauptversammlung in Bielefeld entzogen die Anteilseigner mit 56 Prozent der Stimmen dem kompletten Vorstand des ostwestfälischen Handyzulieferers das Vertrauen. Noch schlimmer traf es den Vorstandsvorsitzenden, den ehemaligen Microsoft-Deutschlandchef Richard Roy.

Sowohl der Vorstands- als auch der Aufsichtsratschef von Balda arbeiten seit Dienstag ohne das Vertrauen ihrer Aktionäre – für gewöhnlich ein unhaltbarer Zustand. Foto: dpa Quelle: dpa
Sowohl der Vorstands- als auch der Aufsichtsratschef von Balda arbeiten seit Dienstag ohne das Vertrauen ihrer Aktionäre – für gewöhnlich ein unhaltbarer Zustand. Foto: dpa Quelle: dpa

BIELEFELD. Sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsratschef der Balda AG sind nach der Hauptversammlung des Handyzulieferers am Dienstag in Bielefeld schwer angeschlagen. Wie ein Unternehmenssprecher gegenüber dem Handelsblatt bestätigte, stimmten zwei Drittel der anwesenden Aktionäre gegen die Entlastung des Aufsichtsratsvorsitzenden Richard Roy. Der Balda-Vorstand konnte nur 44 Prozent Ja-Stimmen verbuchen. Am späten Dienstagnachmittag war unklar, ob die Betroffenen nun zurücktreten. „Der Aufsichtsrat tagt, wir haben zu diesem Zeitpunkt keinen Kommentar“, sagte ein Balda-Sprecher dem Handelsblatt.

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Die Balda-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 80 Prozent ihres Wertes verloren. Das Management hat das Vertrauen seiner Aktionäre mit diversen Fehlentscheidungen stark erschüttert – im Frühjahr war vorübergehend sogar von einer Insolvenz die Rede. Vor allem die Großaktionäre machen nicht nur Vorstandschef Joachim Gut Vorwürfe, sondern kritisieren noch stärker eine mangelnde Kontrolltätigkeit des Aufsichtsrats.

„Wir haben nicht gegen die Entlastung des Vorstands gestimmt“, sagte Michael Treichl vom Hedge-Fonds Audley Capital, der 10,5 Prozent der Balda-Aktien hält, dem Handelsblatt „Ob Herr Roy aus diesem Votum Konsequenzen ziehen möchte, bleibt ihm überlassen.“

Sowohl Roy als auch Vorstandschef Gut stehen nur vor großen Problemen. Beide arbeiten seit Dienstag ohne das Vertrauen ihrer Aktionäre – für gewöhnlich ein unhaltbarer Zustand. Zudem stimmten die Aktionäre auch gegen die Pläne des Managements. Dessen Vorschlag, die Satzung zu ändern, um eine Erhöhung des Grundkapitals zu ermöglichen, wurde mit knapper Stimmenmehrheit abgelehnt. Auch die Ausgabe von Wandel- und Optionsanleihen wurde dem Vorstand untersagt.

Im Streit der Großaktionäre über die Besetzung des Aufsichtsrates dagegen gab es eine Einigung. Der von Lars Windhorst geführte Finanzinvestor Vatas zog seinen Kandidaten kurz vor Beginn der Hauptversammlung zurück. Stattdessen stimmte Vatas für den Kandidaten Manfred Puffer, der kurz zuvor von der NordLB vorgeschlagen wurde.

Zwischen der NordLB und Vatas gibt es einen lang anhaltenden Streit rund um den Erwerb von Balda-Aktien. Vatas-Chef Windhorst hatte gemeinsam mit dem Balda-Management versucht, den Windhorst-Anwalt Michael Naschke im Aufsichtsrat zu installieren. Stattdessen wurden am Dienstag Puffer und der Unternehmensberater Michael Sienkiewicz mit großer Mehrheit gewählt.

Balda erwirtschaftete 2007 mit weltweit 7200 Mitarbeitern bei einem Umsatz von 309 Mill. Euro einen Jahresfehlbetrag von 73,3 Mill. Euro. Die Lage war so prekär, dass laut Geschäftsbericht ein Sanierungsgutachten für die gesamte Balda-Gruppe in Auftrag gegeben wurde.

Laut Vorstandschef Gut sollen 2008 jedoch alle Geschäftsbereiche profitabel arbeiten. Im April sagte Gut, erwarte er einen Vorsteuergewinn von 35 Mill. Dollar. Bei dieser Prognose allerdings war Balda von einem Wechselkurs von 1,45 Dollar je Euro ausgegangen, aktuell steht er aber deutlich schlechter – bei 1,55 Dollar je Euro.

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