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17.06.2008 
Kluge schmeißt hin

Eklat in der Energiewirtschaft

von Jürgen Flauger und Klaus Stratmann

Die deutsche Energiebranche ist heillos zerstritten darüber, wer ihre Lobbyarbeit künftig koordinieren soll. Jetzt hat der Wunschkandidat der Großkonzerne, Ex-McKinsey-Chef Jürgen Kluge, entnervt aufgegeben. Sein Absage trifft die Branche zur Unzeit.

Die Energiebranche muss sich erneut auf die Suchen nach einem Cheflobbyisten begeben. Foto: dpaLupe

Die Energiebranche muss sich erneut auf die Suchen nach einem Cheflobbyisten begeben. Foto: dpa

DÜSSELDORF/BERLIN. Die deutsche Energiebranche ist über ihre zukünftige Lobbyarbeit heillos zerstritten. Nach monatelangem Gezerre hat der Wunschkandidat der Großkonzerne Eon, RWE und EnBW für die Position des Cheflobbyisten, der ehemalige Deutschland-Chef von McKinsey, Jürgen Kluge, gestern entnervt aufgegeben. Er scheiterte letztlich am Widerstand der Kommunalversorger. „Ich werde den Posten des Energie-Lobbyisten nicht übernehmen“, sagte Kluge dem Handelsblatt. Zur Begründung gab er an, der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sei „derzeit nicht reif für grundlegende Veränderungen“.

Die Absage Kluges trifft die Branche zur Unzeit. Bislang hatte alles danach ausgesehen, als würde Kluge am Mittwoch bei der BDEW-Mitgliederversammlung in sein neues Amt gewählt. Nun muss die Energiewirtschaft auch in Zukunft auf ein prominentes Gesicht an der Verbandsspitze verzichten.

Die Branche hat seit langem erkannt, dass sie ihre Lobbyarbeit deutlich verbessern muss. Die Unternehmen stehen unter Beschuss: Einerseits steigen die Preise für Energieverbraucher stark, gleichzeitig melden die Versorger Rekordgewinne. Mit Kluge an der Spitze wollte die Branche ihr Image grundlegend verbessern. Kluge sollte als „Gesicht der Branche“ in Talkshows auftreten, aber auch der zentrale Ansprechpartner der Politik werden.

Als Vorbild gilt den Unternehmen Matthias Wissmann. Seit der CDU-Politiker und ehemalige Verkehrsminister Matthias Wissmann beim Verband der Automobilindustrie (VDA) die Führung übernommen hat, hat sich dort die Lobbyarbeit erheblich gewandelt. Wissmann ist es gelungen, den Automobilverband bei den Themen Umwelt- und Klimaschutz nicht länger als Bremser dastehen zu lassen.

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