Electrolux begrüßt Verzicht
Streikfront bei AEG scheint zu bröckeln

Die IG Metall zögert mit der Ausweitung des AEG-Streiks auf die Ersatzteilsparte in Rothenburg. Nach einer nur knapp gewonnenen Urabstimmung will man zunächst die weitere Entwicklung abwarten.

HB NÜRNBERG/ROTHENBURG. Damit wolle man ein Zeichen für eine Verhandlungslösung setzen, sagte der bayerische IG-Metall-Chef Werner Neugebauer am Freitag. Bei der Urabstimmung hatten sich 77,7 Prozent der IG Metall-Mitglieder für einen Streik ausgesprochen. Das erforderliche Quorum von 75 Prozent wurde damit nur knapp übertroffen.

Electrolux-Verhandlungsführer Walter Koch begrüßte den vorläufigen Streikverzicht als positives Signal für die Fortführung der Gespräche. „Das äußerst knappe Abstimmungsergebnis zeigt deutlich, dass es keine breite Zustimmung für einen Streik in Rothenburg gibt“, erklärte Koch. „Wir müssen nun gemeinsam eine Zuspitzung des Konfliktes verhindern.“ Electrolux habe bereits als „Zeichen des guten Willens“ die Umsetzung der neuen Arbeitsverträge während der Gespräche eingestellt.

Der Electrolux-Konzern hatte die Sparten Ersatzteile, Logistik, Kundendienst und Vertrieb aus der AEG ausgegliedert und will den Beschäftigten neue Arbeitsverträge geben. Die IG Metall fordert die Rückkehr in die Tarifbindung der Metall- und Elektroindustrie. In der Distriparts Deutschland GmbH, dem europäischen Electrolux- Ersatzteillager, sind rund 200 Mitarbeiter beschäftigt. Ein Streik könnte den Konzern empfindlich treffen, da die europaweite Auslieferung von Ersatzteilen lahm gelegt würde.

Die Stimmung in der Belegschaft ist jedoch gespalten. In einem offenen Brief hatten mehrere Dutzend Mitarbeiter kürzlich erklärt, sie fühlten sich vom Betriebsrat nicht mehr vertreten. Electrolux argumentiert, der Streik bedrohe „kerngesunde Arbeitsplätze“. Während der Urabstimmung hatten sich IG Metall und Electrolux gegenseitig vorgeworfen, die Mitarbeiter unter Druck zu setzen.

Neugebauer unterstrich, man sei jederzeit bereit, „einen massiven Streik an der Achillesferse von AEG zu beginnen“, wolle die Auseinandersetzung aber zunächst nicht weiter eskalieren lassen. Die IG Metall erwarte vom AEG-Management nun „eine klare Ansage“ für weitere Gespräche über ein Gesamtpaket, das sowohl das Nürnberger Werk als auch die Tarifregelung der ausgegliederten GmbHs einschließe. Die Verhandlungen sollen am kommenden Donnerstag (16.) fortgesetzt werden. Das existenzbedrohte AEG-Stammwerk Nürnberg wird seit dem 20. Januar bestreikt, die Logistik-Sparte seit 27. Januar.

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