Elektro-Alarm
Schnelle Hilfe für verunglückte Autofahrer

Während die Hersteller noch zögern, will die EU-Kommission den Einbau elektronischer Notrufsysteme in Neuwagen jetzt zur Pflicht machen. Der ADAC begrüßt die Pläne, der Verband der Automobilindustrie bleibt skeptisch.
  • 3

BrüsselDie EU-Kommission bringt den verbindlichen Einbau von elektronischen Notrufsystemen in alle Neuwagen auf den Weg. Entsprechende Pläne wird die für die Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes nach Informationen von Handelsblatt Online am Donnerstag vorstellen. Den vorliegenden Plänen zufolge soll die Automobilindustrie von 2015 an das so genannte „E-Call“-System als Standardausstattung in Fahrzeuge aller Klassen einbauen, sowohl in Pkw wie auch in Kleinlaster. Bei einem schweren Unfall meldet das System automatisch den Standort des Unglücksfahrzeugs. Zudem will Brüssel die Mitgliedstaaten der Gemeinschaft dazu verpflichten, für eine flächendeckende Infrastruktur bei E-Call zu sorgen. Mobilfunknetze müssten in jedem Fall garantieren, dass die Notrufsignale Priorität hätten und immer und überall sofort weitergeleitet würden. Das System soll weniger als 100 Euro pro Fahrzeug kosten.

Der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) begrüßt das Vorhaben der EU-Kommission. „Die Einführung ist überfällig. Die Industrie hat sich seit Jahren schwer damit getan, weil der Zusatzaufwand für sie keinen echten Zusatznutzen bringt. Das Brüssel nun Druck macht, ist verständlich“, sagte Thomas Strobl, Experte für elektronische Produkte beim ADAC. Der elektronische Notruf könne viele Menschenleben retten. Dass die Kosten für das System an die Verbraucher weitergegeben würden, sei aber nicht auszuschließen.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) unterstützt die Entwicklung von E-Call grundsätzlich, bleibt aber auch skeptisch. „Fahrzeughersteller und Zulieferer haben intensiv an den Normungsarbeiten mitgewirkt. Allerdings kommt es darauf an, dass nicht nur die Fahrzeuge ausgestattet sind, sondern auch die Rettungsleitstellen entsprechend ausgerüstet werden“, heißt es in einer Stellungnahme gegenüber dem Handelsblatt. „Ein E-Call, der von einem verunfallten Fahrzeug ausgelöst wird, aber von keiner Rettungsleitstelle empfangen und verarbeitet werden kann, weil dort die Technik fehlt, nützt niemandem.“ Hierfür habe die EU-Kommission bisher keine wirkliche Lösung präsentiert. Zu klären sei ebenfalls wie die bestehenden privaten Notrufsysteme und der von der EU-Kommission geplante E-Call zusammenwirken. „In einigen großen Mitgliedstaaten wie Großbritannien und Frankreich gibt es noch erheblichen politischen Widerstand gegen die Pläne der EU-Kommission. Es muss aber in jedem Fall eine europaweite Lösung angestrebt und ein nationaler Flickenteppich vermieden werden“, so der VDA.

In ihrem neuen verkehrspolitischen Programm hat sich die EU das Ziel gesetzt, die Zahl der Unfalltoten bis 2020 um die Hälfte zu reduzieren. Ihr Ziel die Zahl der Unfalltoten im Straßenverkehr zwischen 2001 und 2010 von 54.000 auf 27.000 zu halbieren, hat die EU jedoch verfehlt. Die Zahl sank lediglich um etwas mehr als ein Drittel. Daher verstärkt sie nun ihre Bemühungen um mehr Sicherheit im Straßenverkehr. Demnach müsste allein die Zahl der Verkehrstoten in Deutschland bis 2020 auf rund 1800 sinken. Innerhalb der 27 EU-Länder lag Deutschland mit 45 Getöteten je eine Million Einwohner auf dem fünften Platz.

Seite 1:

Schnelle Hilfe für verunglückte Autofahrer

Seite 2:

System könnte auch neue Zusatzdienste möglich machen

Kommentare zu " Elektro-Alarm: Schnelle Hilfe für verunglückte Autofahrer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich jedenfalls fühle mich jetzt viel besser. Dieser Richtungsweisende Schritt sorgt für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und zeigt wie sehr unsere Politik um das Wohl seiner Bürger besort ist.

  • Na bereiten wir jetzt nachdem das BVG heute die Demokratie abgeschafft hat, nun die totale Überwachung vor? Nur für den Fall, das mal jemand was gegen die schöne EUdSSR - unser aller Zukunft und Sonnenschein - hat. Die Ewiggestrigen unsolidarischen Egoisten, die mit der Bezahlung der Rechnungen für Zocker und korrupte Systeme und Politik(er) nicht einverstanen sind, müssen schließlich unter Kontrolle und zur Vernunft gebracht werden. Da ist es schon praktisch, wenn jedes Auto immer einen Chip hat, den man orten kann.

    Die ordentlichen EUdSSR-Bürger können so auch gleich für die Maut-Erfassung herangezogen werden. Irgendwie müssen die Transfers via Südeuropa in die maroden Bankbilanzen ja bezahlt werden.

  • Es ist ein Armutszeugnis aller FZG Hersteller weltweit was hier passiert. Seit Jahren wird darüber diskutiert weil die FZG etwas teurer werden. Als Familienvater gebe ich gerne mit einem guten Gewissen 250€ für ein Notrufsystem im Neuwagen aus. Jedoch wird dies nur bei vereinzelten und dann zum überzogenen Preis angeboten.
    Peinlich finde ich dass viele eine Freisprecheinrichtung im FZG haben welche über das Radio mit der Bordelektronik verbunden ist. Ein automatisches auslösen eines Notrufes über das eigene Telefon ist also sofort und nicht erst in 2015 möglich. Schlaue Geister werden die fehlende Ortung als Hinderung aufführen. Falsch gedacht. Bei Gefahr in Verzug kann die Notrufzentrale eine sofortige GSM Ortung anstoßen, zudem besteht eine Sprachverbindung zum Unfallfahrzeug.
    Die Frage ist eher "Geldgier" oder "wir machen das jetzt!"
    MFG..

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%