Elektro-Carsharing BMW hat eine Spionage-Affäre in Paris

Im Auftrag des Autobauers forschte ein Ingenieurbüro offenbar ein erfolgreiches Carsharing-Unternehmen aus. Die Spionage-Affäre kommt für BMW zur Unzeit. Die französische Justiz ermittelt wegen Industriespionage.
Kommentieren
Elektroauto i3 auf der IAA: „BMW hat versucht, in unsere Systeme einzudringen und Informationen abzugreifen“. Quelle: dpa

Elektroauto i3 auf der IAA: „BMW hat versucht, in unsere Systeme einzudringen und Informationen abzugreifen“.

(Foto: dpa)

ParisWelcher Teufel hat die erfolgsverwöhnten BMW-Manager wohl geritten? Ausgerechnet auf der IAA und zur Vorstellung des neuen Elektroautos i3 platzt in Frankreich eine Affäre um angebliche Industriespionage. Vieles deutet darauf hin, dass BMW versucht hat, mit Hilfe eines in Aachen ansässigen Ingenieurbüros Europas größtes Elektro-Carsharing-Unternehmen Autolib in Paris auszuforschen. Für BMW allerdings ist es viel harmloser: Man habe sozusagen nur mal die französischen Stecker ausprobiert.

Autolib betreibt 1800 Elektromobile an 800 Stationen im Großraum Paris. Seit 2011 funktioniert das System stabil – was die Münchener, die mit dem i3 möglicherweise etwas Ähnliches auf die Beine stellen wollen, offenbar lebhaft interessiert. „BMW hat versucht, in unsere Systeme einzudringen und Informationen über unsere Batterien, das Flottenmanagement und die Technik abzugreifen, da geht es um Millionenbeträge“, sagte ein Verantwortlicher des Unternehmens dem Handelsblatt. Deshalb habe Autolib Strafanzeige wegen Industriespionage und unerlaubtem Eindringens in die eigene EDV gestellt. Ein Verantwortlicher von BMW Frankreich sagte dem Handelsblatt dagegen, man habe lediglich prüfen wollen, ob der neue i3 an den Autolib-Stationen geladen werden könne.

Als Wartungstechniker verkleidet zapften Mitarbeiter des Aachener Ingenieurbüros P3 Group Anfang September mehrere Ladestationen von Autolib an, recherchierte die französische Tageszeitung „Le Figaro“. Dabei stellten sich die Ingenieure aber so ungeschickt an, dass Autolib auf sie aufmerksam wurde. Beim dritten Versuch, mit moderner IT-Technik die Autolib-Daten abzuschöpfen, war die Polizei zur Stelle und nahm zwei P3-Leute fest. In ihrem Auto fand die Polizei umfangreiches technisches Material. Im Laufe eines mehrstündigen Verhörs gaben die Techniker zu, für BMW zu arbeiten.

Revolutionärster BMW aller Zeiten
mid Frankfurt - Der BMW i8 beschleunigt aus dem Stand auf Tempo 100 km h in 4,4 Sekunden, verbraucht im EU-Testzyklus 2,5 Liter Super auf 100 Kilomete
1 von 10

Der BMW i8 beschleunigt aus dem Stand auf Tempo 100 km/h in 4,4 Sekunden, verbraucht im EU-Testzyklus 2,5 Liter Super auf 100 Kilometer und emittiert weniger als 59 g CO2/km.

mid Frankfurt - Im Mittelpunkt des IAA-Auftritts von BMW steht mit dem serienmäßigen i8 der derzeit revolutionärste Sportwagen der Welt mit einem Elek
2 von 10

Der Sportwagen ergänzt einen Elektroantrieb mit einem Range Extender. Die rein elektrische Reichweite beträgt rund 35 Kilometer. Der 1,29 Meter flache und 4,69 Meter lange Viersitzer geht trotz des Plug-in-Hybrid-Antriebs mit einem Leergewicht von 1.490 Kilogramm an den Start - dank seiner Fahrgastzelle aus Carbon.

-
3 von 10

Bei der Enthüllung des i8 BMW-Chef kokettiere Norbert Reithofer nicht, als er sagte: "So ein Fahrzeug hat es bei BMW noch nicht gegeben." Er verspricht die Performance eines Sportwagens und Verbrauchswerte eines Kleinwagens. "Der BMW i8 ist Innovation bis ins letzte Detail. Anfang 2014 kommt er auf den Markt."

IAA Frankfurt - BMW
4 von 10

Offenbar aber auch keines, aus dem der Chef so beschwerlich herauskommt.

huGO-BildID: 32803058 BMW CEO Norbert Reithofer gets out of the BMW i8 plug-in hybrid sports car during its world premiere at the first press day of
5 von 10

Flügeltürer mögen in Parklücken seitlich weniger Raum brauchen als normale Fahrzeuge. Aber über den breiten Chassisrahmen hinweg und ohne anzustoßen unter der mächtigen Tür hindurch, das ist schon was für Yoga-Fans.

BMW CEO Norbert Reithofer presents BMW i8 hybrid supercar at Frankfurt Motor Show
6 von 10

Der zweisitzige Plug-in-Hybrid-Sportwagen verbindet bei einer Systemleistung von 266 kW/362 PS und 570 Newtonmeter hohe Leistungsfähigkeit mit einem der derzeit sparsamsten Antriebe. Der Dreizylinder-Benziner mit Turboaufladung und 231 PS ist nur 1,5 Liter groß, dazu kommt ein 98-kW-Elektromotor.

BMW CEO Norbert Reithofer sits inside BMW i8 hybrid supercar at Frankfurt Motor Show
7 von 10

Die rein elektrisch erreichbare Höchstgeschwindigkeit beträgt 120 km/h. Das maximal erreichbare Tempo 250 km/h. Ist die Batterie leer, springt der Drei-Zylinder als Reichweitenverlängerer an, lädt die Akkus, und verleiht dem Elektro-Renner eine Gesamtreichweite von rund 500 Kilometern.

Autolib ist im Raum Paris äußerst beliebt. Wer bei dem Dienst angemeldet ist, kann mit einer Karte an einer der zahlreichen Stationen ein Auto leihen. Die Info-Säulen an jeder Station geben darüber Auskunft, wo das nächste freie Auto steht, falls an einer Stelle keines verfügbar ist. Man kann per Handy auch Autos oder Ladesäulen vorbuchen. Das System rechnet minutengenau ab und ist sehr günstig, wenn man das Auto nicht ungenutzt herumstehen lässt. Autolib gehört dem französischen Milliardär Vincent Bolloré. Er stellt selber Batterien her und hat die Autos selber entwickeln lassen. Produziert werden sie in Italien.

Nachdem die Polizei mit Ermittlungen begonnen hatte, entschuldigte BMW Frankreich sich bei Autolib. Die Aachener hätten teilweise eigenmächtig gehandelt. Das abgeschöpfte französische Unternehmen aber will davon nichts wissen: Das sei wie der Versuch, mit einem „Sorry, war nicht so gemeint“ davonzukommen, nachdem man wegen Einbruchs verhaftet wurde, sagte der Autolib-Verantwortliche.

Die Frage, warum BMW die gesuchten Informationen nicht direkt bei Autolib erfragte, beantwortete BMW nicht. Als Grund dafür, dass man nicht schlicht mit einem eigenen Elektroauto das Aufladen probierte, gab BMW Frankreich an, man habe „kein Auto zur Verfügung gehabt“. Der Auftrag an das Aachener Büro sei direkt aus der Münchener Zentrale gekommen.

Startseite

Mehr zu: Elektro-Carsharing - BMW hat eine Spionage-Affäre in Paris

0 Kommentare zu "Elektro-Carsharing: BMW hat eine Spionage-Affäre in Paris"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%