
HB MÜNCHEN. Bei Siemens trüben die Sorgensparten die Geschäftserholung. Zwar spürt der Technologieriese in seinen Kernsegmenten Industrie, Energie und Medizintechnik deutlich die weltweite Konjunkturbelebung. Rote Zahlen in Bereichen, von denen sich der Münchner Konzern trennen will, drücken aber den Gewinn. Wie Finanzchef Joe Kaeser am Dienstag mitteilte, wird das Ergebnis aus fortgeführtem Geschäft im ablaufenden Quartal merklich unter dem Wert des Vorquartals von 1,48 Mrd. Euro liegen. Auch das Niveau vor Jahresfrist von 1,22 Mrd. sei schwer zu erreichen.
Mit der grundsätzlichen Geschäftsentwicklung zeigte sich Kaeser aber zufrieden. „Wir sind sehr gut unterwegs“, sagte er auf einer Analystenveranstaltung in Nürnberg. Die Kunden in aller Welt verlangen verstärkt Technologie aus dem Hause Siemens. In den drei Kernsektoren werde der Umsatz in dem zu Ende gehenden dritten Geschäftsquartal das Niveau vor Jahresfrist von 17,5 Mrd. Euro übertreffen und das Volumen der Neuaufträge die 17,1 Mrd. des Vorquartals. Auch die Renditen legten hier zu.
Siemens profitiere vor allem vom Aufschwung in schnelllebigen Geschäften wie dem der Lichttechniktochter Osram sowie von der starken Nachfrage aus den Schwellenländern, erläuterte Kaeser. Auch in der Energietechnik gebe es Grund zur Zuversicht, sagte Siemens-Vorstand Wolfgang Dehen. Die Kunden investierten wieder zunehmend in neue Projekte, die Zahl der Ausschreibungen steige. Vor allem auf dem Feld der erneuerbaren Energien, der Energieverteilung und im Service gebe es Anzeichen für eine Belebung. „Mittelfristig erwartet Siemens eine Rückkehr des Energie-Marktvolumens zum Rekordniveau des Jahres 2008“, teilte der Konzern mit.
Verluste schreiben hingegen das vor der Abspaltung stehende IT-Geschäftsfeld SIS und die Beteiligungssparte, in der Gemeinschaftsfirmen wie Nokia Siemens Networks (NSN) gebündelt sind. Während SIS unter anhaltend schwacher Nachfrage leidet, hat der vom finnischen Handyriesen Nokia gesteuerte Netzwerkbauer NSN mit scharfer Konkurrenz aus Asien zu kämpfen. Siemens will sich mittelfristig von seiner 50-Prozent-Beteiligung an NSN trennen.
„Siemens hat ein paar starke Ansagen gemacht“, urteilte Eerik Budarz vom Bankhaus Metzler. „Die Auftragslage ist stark, das ist vielversprechend für die kommenden Quartale.“ Er rechnet damit, dass das operative Neun-Monats-Ergebnis der Kerngeschäftsfelder Ende Juni bei 6,5 Mrd. Euro liegen wird. „Die Prognose von mindestens 7,5 Mrd. Euro im Gesamtjahr ist damit leicht zu erreichen“, sagte Budarz.