Elektroauto-Spezialist
Tesla ist eine Glaubensfrage

Diese Firma entzieht sich jeder vernünftigen Bewertung: Elektroauto-Spezialist Tesla verschiebt den Start des Model X und kappt die Prognose – und die Aktie legt zu. Denn Mitgründer Elon Musk malt eine rosige Zukunft.
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San FranciscoDas passiert selten. Die Wachstumsraten gehen zurück, die Vorhersagen für die verkauften Fahrzeuge im Gesamtjahr werden gekürzt, die Nettoverluste sind höher als in jedem Quartal zuvor, das neue Auto-Modell kommt später als angekündigt, Daimler und Toyota verkaufen fast alle Tesla-Anteile – und der Aktienkurs steigt. Fast sieben Prozent ging es nachbörslich aufwärts.

Die Vorlage der Quartalszahlen des Elektroauto-Spezialisten zeigt einmal mehr: Der Autobauer aus Kalifornien entzieht sich jeder vernünftigen Bewertung. Ein Investment hier ist eine Glaubensfrage, keine rationale Entscheidung. Und wenn man dem charismatischen Mitgründer Elon Musk folgt, dann ist die Zukunft rosig.

Die Ergebnisse des abgelaufenen dritten Quartals lagen im Rahmen der Erwartungen oder leicht darüber. Dagegen stand eine Herabsetzung des Verkaufsziels für das Gesamtjahr um 2.000 Einheiten des Modells S auf 33.000 Stück. Im dritten Quartal wurden 7.785 Teslas ausgeliefert, kaum mehr als im zweiten Quartal mit 7.579. Das wiederum, so Tesla-Chef Musk, sei nur ein temporäres Problem. Die Fabrik in Kalifornien musste umgebaut werden, um künftig mehr produzieren zu können.

Für das kommende Jahr „und darüber hinaus ein paar Jahre“ verkündete er Wachstumsziele von 50 Prozent pro Jahr, was „außergewöhnlich“ sei in dieser Industrie. Für 2015 bestätigte er im Analystengespräch ein Ziel von 50.000 verkauften Model S, der Limousine von 70.000 bis 100.000 Dollar. Die Aktie, die im Börsenhandel noch 3,3 Prozent gefallen war zog nachbörslich um fast sieben Prozent auf 246 Dollar an.

Zumindest in einem Punkt ist der junge Konzern aus Fremont schon in der Normalität angekommen, in der seine großen Konkurrenten aus Detroit schon lange sind. Verfehlte Produktionszahlen und nicht eingehaltene Zeitpläne für Neuvorstellungen kennt man seit langem von den „großen Drei“ Ford, Chrysler und General Motors. So wird nun bei Tesla der Start des neuen SUV, das Model X, erneut verschoben, diesmal auf das dritte Quartal 2015.

Doch bei Elon Musk sind Analysten und Anleger nicht verschnupft wie bei einem „normalen“ Unternehmen. Der Auto- und Weltraum-Unternehmer, der bei seinen Fans schon den Ruf hat, über Wasser gehen zu können, kann es sich sogar leisten, im Aktionärsbrief mit den Schwächen zu kokettieren und sie in Vorteile umzudeuten. „Dass es unser Unvermögen ist die Produktion hochzufahren und nicht etwa mangelnde Nachfrage, ist eine faire Kritik“, heißt es da. Will sagen: Die Kunden stehen Schlange.

Die erneute Verschiebung des Marktstarts für das Model X wird ebenfalls als Zeichen der Stärke gefeiert. „Es kann ebenfalls kritisiert werden, dass wir lieber auf Umsatz verzichten als ein Produkt herauszubringen, welches die Kunden nicht begeistert“, schreibt Musk. Und er fügt an, wem es nicht passe, der kann ja gehen: „Es gibt jede Menge andere Unternehmen“, so der Rat an die Hasenfüße unter den Anlegern, „die dieser Philosophie nicht folgen und ein besseres Zuhause für angelegtes Kapital sind. Wir werden uns jedenfalls nicht ändern.“ Starke Worte. Immerhin war das Model X einmal für Ende 2013 vorgesehen. Und das Model S, der einzige Umsatzbringer, geht als 2013er Modell jetzt praktisch unverändert in den Jahrgang 2015. Lediglich ein Vierrad-Antrieb ist dazugekommen.

Vor einer Woche kündigte Tesla neue Leasingpreise für den US-Markt an, was vom „Wall Street Journal“ als Ausfluss eines Absatzproblems interpretiert wurde. Musk persönlich wies den Bericht per Twitter daraufhin als unrichtig zurück.

Trotzdem bleiben Zweifel. „Ich glaube, Tesla ist massiv überbewertet“, gibt sich John Thompson, Chef von Vilas Capital Management, pessimistisch auf CNBC im „Closing Bell“-Marktbericht. Das sei „ein Unternehmen, das 33.000 Autos verkauft und halb so viel wert ist wie Ford.“ Thompson hält 100 Dollar für einen fairen Aktienkurs. Da gibt es allerdings auch andere Stimmen, die einen Kurs von Tesla von bis zu 400 Dollar für gerechtfertigt halten. Alleine an dieser Spanne ist abzulesen, wie groß die Unsicherheit hinsichtlich der Bewertung des ersten neuen Autoherstellers seit den 50er Jahren in den USA ist.

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  • Habe heute Nacht die Berichterstattung Tesla zu Q3 verfolgt. Das ist einfach eine klare gute Story. Die sind ausverkauft, investieren wie verrückt in F&A, sind kreativ, unverbraucht und haben mit dem Tesla S ein Super Auto am Start.Wer das einmal gefahren hat mag in unsere traditionellen Stinker gar nicht mehr einsteigen. Tesla ist die Zukunft, trotz Wahnsinnsbewertung und operativen Anfängerfehlern.Habe meine Meinung geändert und sehe da nach oben beim Aktienkurs viel Potential.
    Daimler hat richtig Kasse gemacht und ist gut beraten weiter mit Tesla zu kooperieren. Irgendwie blamabel die Klimmzüge unserer hiesigen Autobauer im E-Bereich. Ich denke die wollen gar nicht richtig in diese Richtung und machen so einen grossen strategischen Fehler. Gut für Tesla.

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