Elektroauto vs. Verbrenner Ein Auslaufmodell

Volvo will schon in zwei Jahren nur noch Autos mit Elektromotor produzieren. Benziner und Diesel haben bei den Schweden lediglich im Hybrid für eine Übergangszeit eine gewisse Existenzberechtigung. Ein Kommentar.
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Auch ein Bobbycar von Audi lässt sich per Kabel aufladen. In wenigen Jahren werden Elektroautos zum gewöhnlichen Straßenbild gehören. Quelle: dpa
Dem Elektroauto gehört die Zukunft

Auch ein Bobbycar von Audi lässt sich per Kabel aufladen. In wenigen Jahren werden Elektroautos zum gewöhnlichen Straßenbild gehören.

(Foto: dpa)

Millionen von alten Diesel-Fahrzeugen sind auf Deutschlands Straßen unterwegs. Ihre Abgaswerte im Realbetrieb sind deutlich höher, als die vermeintlich zuverlässigen Verbrauchstests vor der Erstzulassung ausgewiesen haben. Eine unheimliche Allianz aus Automobilindustrie und staatlicher Aufsicht hat diesen umweltpolitischen Sündenfall erst möglich gemacht. Die Behörden haben nicht so genau hingesehen und die Hersteller haben das rechtlich Mögliche sehr weitgehend interpretiert.

Dem stehen die berechtigten Interessen der Städte gegenüber. Sie müssen einschreiten, wenn die Stickoxid-Grenzwerte an den Ausfallstraßen um ein Mehrfaches überschritten werden. Kein Oberbürgermeister möchte sich dem Vorwurf ausgesetzt sehen, er würde mit der Gesundheit seiner Einwohner spielen. Fahrverbote sind aus Sicht der Kommunen ein logischer Schritt, um die Umweltprobleme zumindest ansatzweise in den Griff zu bekommen.

Doch die dreckigen Diesel besitzen eine amtliche Straßenzulassung. Die Autofahrer haben sie in dem guten Glauben gekauft, dass sie damit nicht nur auf den Autobahnen, sondern auch in den Städten unterwegs sein dürfen. Fahrverbote bedeuten einen Eingriff in ihre Eigentumsrechte, eine heikle rechtliche Angelegenheit also.

Er ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.
Stefan Menzel

Er ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

In dieser verworrenen Lage hilft eine offene Konfrontation nicht mehr weiter. Ein Kompromiss ist vielmehr gefragt. Jeder der Beteiligten muss seinen Anteil dazu beitragen, dass die Straßen sauberer werden und die Autos trotzdem noch in den Städten etwa auf dem Weg zur Arbeit benutzt werden dürfen.

Auf dem bayerischen Autogipfel in der vergangenen Woche ist immerhin ein Anfang gemacht worden. Zwischen Politik und Industrie gibt es eine erste Verständigung darüber, dass ältere Diesel-Fahrzeuge ein Software-Update zur Verbesserung der Abgaswerte bekommen sollen. Jetzt hat sich noch einmal der Verband der Automobilindustrie (VDA) eingeschaltet und schlägt die Umrüstung von drei Millionen älteren Diesel-Fahrzeugen vor. Das ist die schnellste und einfachste Lösung, gerade auch im Hinblick auf die Kosten.

Die Elektro-Schocker
Die Speerspitze einer neuen Bewegung
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Sprintzeiten von unter drei Sekunden sind für konventionell angetriebene Supersportler eher die Ausnahme als die Regel. In der Elektroauto-Szene gehören solche Fabelwerte hingegen fast schon zum guten Ton. Um Aufmerksamkeit und Überzeugungsarbeit für den lokal emissionsfreien Elektroantrieb zu leisten, haben einige Hersteller atemberaubend schnelle Sportwagen auf die Räder gestellt, die ohne wild fauchende Benzinmotoren aberwitzige Fahrleistungen ermöglichen. Die ultraschnellen Stromer, wie dieser Nio EP9 von Next EV, bringen selbst eingefleischte Verbrennungsmotor-Fetischisten ins Grübeln...

Einer dieser neuen Wilden ist der Nio EP9, mit dem die chinesische Firma NextEV gleich in die Megawatt-Klasse eingestiegen ist
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Will heißen: Die insgesamt vier E-Motoren mobilisieren zusammen 1.000 Kilowatt (kW), was 1.360 PS entspricht. Zudem kann jede E-Maschine unglaubliche 1.480 Newtonmeter Drehmoment aus dem Stand heraus zur Verfügung stellen. Entsprechend dauert der Sprint auf 100 km/h nur 2,7 Sekunden, bis Tempo 200 verstreichen lediglich 7,1 Sekunden. Mit maximal 313 km/h gilt der EP9 als schnellster E-Sportwagen der Welt.

Im Frühjahr 2017 erzielte der Nio mit 6 Minuten 45,9 Sekunden sogar einen neuen Nordschleifenrekord
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Die Wunder-Flunder kann man übrigens kaufen. Rund 1,4 Millionen Euro soll ein Exemplar kosten. Vertrieben wird der atemberaubend schicke und mit viel Know-how europäischer Ingenieure entwickelte Stromsportler allerdings ausschließlich in China.

Techrules Ren
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Die ebenfalls in China beheimatete Firma Techrules will mit dem Ren dem Nio EP9 den Titel als schnellstes E-Mobil der Welt streitig machen. Im März 2017 wurde die Serienversion des Hypercars vorgestellt, die mit progressivem Design als auch aberwitzigen Leistungseckdaten imponiert.

In der stärksten Ausführung soll der Stromer mit Hilfe von gleich sechs E-Maschinen 960 kW/1.305 PS und 7.800 Newtonmeter in den Vortrieb werfen. Dank dieser Kraft sprintet der 1,7-Tonner in 2,5 Sekunden auf 100 km/h und erreicht maximal 320 km/h.

Techrules Ren
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Als Besonderheit bietet der Ren einen Reichweitenverlängerer in Form einer mit Diesel getriebenen Microturbine. Dieses Hochleistungstriebwerk soll dank 80-Liter-Tank in Kombination mit einer 25-kWh-Batterie eine Reichweite von 1.170 Kilometer erlauben. Preise werden nicht genannt, vermutlich wird der in kleiner Stückzahl in Handarbeit gefertigte Hightech-Renner jedoch einige Millionen kosten. Euro oder Dollar, versteht sich.

Rund eine Million Euro verlangt die kroatische Firma Rimac für ihr Hypercar Concept One
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In seiner jüngsten Ausbaustufe leistet der Stromer mächtige 900 kW/1.224 PS und 1.800 Newtonmeter Drehmoment, was eine Sprintzeit aus dem Stand auf 100 km/h in 2,5 Sekunden erlaubt. Die Höchstgeschwindigkeit von abgeregelten 300 km/h knackt der Balkan-Bolide nach nur 14 Sekunden.

Die insgesamt vier Motoren treiben jeweils ein Rad an, was ein besonders agiles Torque-Vectoring erlaubt...

Rimac Concept One
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Insgesamt vier Motoren treiben jeweils ein Rad an, was ein besonders agiles Torque-Vectoring erlaubt. Trotz dieser bei schnellen Kurvenfahrten hilfreichen Technik ist The-Grand-Tour-Moderator Richard Hammond mit einem Concept One jüngst beim Hemberger Bergrennen in der Schweiz mit einem Rimac von der Straße abgekommen. Der Brite brach sich ein Knie, der Rimac wurde ein Opfer der Flammen.

Selbst ein Software-Update bei Millionen Fahrzeugen ist alles andere als einfach, wie das Beispiel Volkswagen gezeigt hat. 2,6 Millionen Fahrzeuge mit manipulierter Motorsteuerung hat der VW-Konzern in Deutschland in die Werkstätten gerufen. Auch nach knapp zwei Jahren ist die Umrüstung der Autos noch immer nicht abgeschlossen. Eingriffe in das Abgassystem und der Austausch von Teilen würde alles noch komplizierter und teurer machen. Eine solche Umrüstung würde auch viel länger dauern als das vergleichsweise einfache Aufspielen einer neuen Motorsteuerung.

Die Verantwortung der Autobauer
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3 Kommentare zu "Elektroauto vs. Verbrenner: Ein Auslaufmodell"

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  • Wieso reden Journalisten davon, dass das Elektroauto sauber sei? Hier ein paar Fakten:
    (1) Ein grosser Teil des Feinstaubs kommt vom Reifenabrieb, nicht von Abgasen.

    (2) Der CO2 Ausstoss eines e-Autos ist beim jetzigen Energiemix _schlechter_ als der eines hocheffizienten Diesels. Sagt zumindest die Wissenschaft:
    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0360544214008573

    (3) Angeblich kann man e-Autos mit EE (Solar/Windstrom) aufladen. Wenn das e-Auto ueber Nacht geladen wird, dann bestimmt nicht mit Solarstrom.

    (4) der Diesel produziert Feinstaub wenn er kalt ist, da die Abgasreinigung abgeschaltet wird um Adblue zu sparen. Man kann dies also genauso wie beim LKW in den Griff bekommen: mehr Adblue einsetzen!

    Kurzum: diese Artikel scheint mir wieder mal Propaganda gegen den Diesel.

  • Bin schon gespannt auf einen Volvo XC90 mit Elektromotor. :-)
    Diese Experiment hat eventuell Erfolg in Scandinavia. Doch die restlichen europäischen Märkte sind nicht soweit. China könnte auch etwas bringen. Aber ich befürchte die Wette geht nicht auf und Volvo verliert.

  • In Anlehnung an die Äußerung des Diktators Egowahn weiter oben lässt sich hier konstatieren:
    "Volvo begeht Selbstmord!"
    Selbst ein Genie wie Elon Musk braucht weiterhin massiv Subventionen - und selbst das bringt die Verkaufszahlen nicht voran:
    http://www.zerohedge.com/news/2017-07-03/tesla-q2-sales-22000-cars-miss-expectations-battery-production-blamed
    Tja, Schweden wird dann halt auch bald ein weitgehend deindustrialisiertes Land sein. Demographische Prognosen gehen daher auch davon aus, dass dort in etwa 10 Jahren statt ca. 10 Millionen dann auch nur noch ca. 7 Millionen Menschen leben werden - und das bei stark reduziertem Wohlstand bzw. Pro-Kopf-Einkommen...

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