Elektroauto vs. Verbrenner
Ein Auslaufmodell

Volvo will schon in zwei Jahren nur noch Autos mit Elektromotor produzieren. Benziner und Diesel haben bei den Schweden lediglich im Hybrid für eine Übergangszeit eine gewisse Existenzberechtigung. Ein Kommentar.
  • 3

Millionen von alten Diesel-Fahrzeugen sind auf Deutschlands Straßen unterwegs. Ihre Abgaswerte im Realbetrieb sind deutlich höher, als die vermeintlich zuverlässigen Verbrauchstests vor der Erstzulassung ausgewiesen haben. Eine unheimliche Allianz aus Automobilindustrie und staatlicher Aufsicht hat diesen umweltpolitischen Sündenfall erst möglich gemacht. Die Behörden haben nicht so genau hingesehen und die Hersteller haben das rechtlich Mögliche sehr weitgehend interpretiert.

Dem stehen die berechtigten Interessen der Städte gegenüber. Sie müssen einschreiten, wenn die Stickoxid-Grenzwerte an den Ausfallstraßen um ein Mehrfaches überschritten werden. Kein Oberbürgermeister möchte sich dem Vorwurf ausgesetzt sehen, er würde mit der Gesundheit seiner Einwohner spielen. Fahrverbote sind aus Sicht der Kommunen ein logischer Schritt, um die Umweltprobleme zumindest ansatzweise in den Griff zu bekommen.

Doch die dreckigen Diesel besitzen eine amtliche Straßenzulassung. Die Autofahrer haben sie in dem guten Glauben gekauft, dass sie damit nicht nur auf den Autobahnen, sondern auch in den Städten unterwegs sein dürfen. Fahrverbote bedeuten einen Eingriff in ihre Eigentumsrechte, eine heikle rechtliche Angelegenheit also.

In dieser verworrenen Lage hilft eine offene Konfrontation nicht mehr weiter. Ein Kompromiss ist vielmehr gefragt. Jeder der Beteiligten muss seinen Anteil dazu beitragen, dass die Straßen sauberer werden und die Autos trotzdem noch in den Städten etwa auf dem Weg zur Arbeit benutzt werden dürfen.

Auf dem bayerischen Autogipfel in der vergangenen Woche ist immerhin ein Anfang gemacht worden. Zwischen Politik und Industrie gibt es eine erste Verständigung darüber, dass ältere Diesel-Fahrzeuge ein Software-Update zur Verbesserung der Abgaswerte bekommen sollen. Jetzt hat sich noch einmal der Verband der Automobilindustrie (VDA) eingeschaltet und schlägt die Umrüstung von drei Millionen älteren Diesel-Fahrzeugen vor. Das ist die schnellste und einfachste Lösung, gerade auch im Hinblick auf die Kosten.

Selbst ein Software-Update bei Millionen Fahrzeugen ist alles andere als einfach, wie das Beispiel Volkswagen gezeigt hat. 2,6 Millionen Fahrzeuge mit manipulierter Motorsteuerung hat der VW-Konzern in Deutschland in die Werkstätten gerufen. Auch nach knapp zwei Jahren ist die Umrüstung der Autos noch immer nicht abgeschlossen. Eingriffe in das Abgassystem und der Austausch von Teilen würde alles noch komplizierter und teurer machen. Eine solche Umrüstung würde auch viel länger dauern als das vergleichsweise einfache Aufspielen einer neuen Motorsteuerung.

Kommentare zu " Elektroauto vs. Verbrenner: Ein Auslaufmodell"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Wieso reden Journalisten davon, dass das Elektroauto sauber sei? Hier ein paar Fakten:
    (1) Ein grosser Teil des Feinstaubs kommt vom Reifenabrieb, nicht von Abgasen.

    (2) Der CO2 Ausstoss eines e-Autos ist beim jetzigen Energiemix _schlechter_ als der eines hocheffizienten Diesels. Sagt zumindest die Wissenschaft:
    http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0360544214008573

    (3) Angeblich kann man e-Autos mit EE (Solar/Windstrom) aufladen. Wenn das e-Auto ueber Nacht geladen wird, dann bestimmt nicht mit Solarstrom.

    (4) der Diesel produziert Feinstaub wenn er kalt ist, da die Abgasreinigung abgeschaltet wird um Adblue zu sparen. Man kann dies also genauso wie beim LKW in den Griff bekommen: mehr Adblue einsetzen!

    Kurzum: diese Artikel scheint mir wieder mal Propaganda gegen den Diesel.

  • Bin schon gespannt auf einen Volvo XC90 mit Elektromotor. :-)
    Diese Experiment hat eventuell Erfolg in Scandinavia. Doch die restlichen europäischen Märkte sind nicht soweit. China könnte auch etwas bringen. Aber ich befürchte die Wette geht nicht auf und Volvo verliert.

  • In Anlehnung an die Äußerung des Diktators Egowahn weiter oben lässt sich hier konstatieren:
    "Volvo begeht Selbstmord!"
    Selbst ein Genie wie Elon Musk braucht weiterhin massiv Subventionen - und selbst das bringt die Verkaufszahlen nicht voran:
    http://www.zerohedge.com/news/2017-07-03/tesla-q2-sales-22000-cars-miss-expectations-battery-production-blamed
    Tja, Schweden wird dann halt auch bald ein weitgehend deindustrialisiertes Land sein. Demographische Prognosen gehen daher auch davon aus, dass dort in etwa 10 Jahren statt ca. 10 Millionen dann auch nur noch ca. 7 Millionen Menschen leben werden - und das bei stark reduziertem Wohlstand bzw. Pro-Kopf-Einkommen...

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%