Elektroautopionier Tesla
Das „Model 3“ kommt pünktlich

Der Elektroautopionier verbrennt in Rekordhöhe Geld. Aktionäre bleiben aber gelassen: Tesla hält ehrgeizige Produktionsvorgaben ein und übertrifft die Umsatzerwartungen. Im Juli kommt wie versprochen das erste „Model 3“.
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Palo AltoAn Wall Street geht die Angst um: Nach sieben Jahren läuft der Boom im US-Automarkt aus. Amerikaner kauften in den vergangenen vier Monaten deutlich weniger Autos, die Aktien von Ford oder GM fielen in den vergangenen Tagen stark.

Solche Probleme kennt Tesla nicht, das seinen Erlös im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelte. Der Elektroautohersteller übertraf im ersten Quartal 2017 mit 2,7 Milliarden Dollar auch die Umsatzerwartungen der Analysten, die im Durchschnitt 900 Millionen Dollar weniger Erlös vorhergesehen hatten.

Fast noch erfreulicher für die Aktionäre war die Nachricht, dass Tesla seine Produktionsprobleme endgültig hinter sich gelassen hat. Das Unternehmen lieferte in den ersten drei Monaten des Jahres rund 25.000 Fahrzeuge aus und erfüllte damit die ehrgeizigen Vorgaben von Vorstandschef Elon Musk. Auch gibt es keine Verzögerung beim „Model 3“, das im Juli vom Band rollen soll. „Die Entwicklung des Fahrzeugs ist so gut wie fertig“, sagte Musk.

Allerdings zahlte Tesla einen hohen Preis für das Wachstum. Mit 622 Millionen Dollar verbrannte das Unternehmen so viel Geld wie nur einmal zuvor, nämlich im vorangegangenen Quartal. Mit 1,33 Cents pro Aktie fiel der Verlust entsprechend hoch aus und lag damit um mehr als 60 Prozent über den durchschnittlichen Analystenerwartungen.

Die Aktionäre reagierten wenig verärgert, der Kurs von Tesla fiel nachbörslich nur um knapp zwei Prozent. „Gewinne zählen derzeit nicht“, schrieb Brian Johnson, Analyst von Barclays. „Die Aktie hat im Moment wenig mit Fundamentaldaten zu tun.“

Vor wenigen Wochen überholte Tesla beim Börsenwert erst Ford, dann General Motors. Dabei waren schwarze Zahlen bislang die Ausnahme. Im laufenden Quartal wird die Firma noch mehr Geld ausgeben, es will die Kapitalinvestitionen im Vergleich zum ersten Quartal verdoppeln.

Grund ist der Produktionsstart des „Model 3“, der Limousine, die mit 35.000 Dollar in der Basisausstattung nur halb so teuer ist wie die preiswerteste Version des „Model S“. Das neue Fahrzeug soll Tesla den Durchbruch zum Massenhersteller bringen. Bislang gibt es 373.000 Vorbestellungen. Im kommenden Jahr will das Unternehmen jede Woche 5000 Fahrzeuge herstellen, um die Produktionsrate 2018 nochmals zu verdoppeln.

Die Zahlen sind gute Nachrichten für Peter Hochholdinger, der im vergangenen Frühjahr von Audi als Produktionschef zu Tesla wechselte und anscheinend gute Arbeit leistet. Der Deutsche kam zu einer Zeit, als Tesla aufgrund von Produktionsproblemen, etwa bei den Flügeltüren des Geländewagens „Model X“, unter starkem Druck stand.

Tesla gibt sein Geld nicht nur für den Ausbau der Fabrik im kalifornischen Fremont und der Batteriefabrik in Nevada aus. Nach Beschwerden von Kunden will der Autobauer auch sein Netz an Schnellladestationen verdoppeln und mehr Reparatur-Lastwagen einsetzen. Musk verkündete zudem, weltweit 100 neue Filialen und Servicestationen zu eröffnen, eine Steigerung um 30 Prozent.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York

Kommentare zu " Elektroautopionier Tesla: Das „Model 3“ kommt pünktlich"

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  • Wenns nicht gut läuft, wird Trump für seinen Freund Elon Musk schon eine Lösung finden. Im Zweifel ändert er mal wieder seine Meinung.

    Ansonsten muss sich unsere Autoindustrie schon fragen, wo der Weg hin gehen will. Außer in Europa, wo der Diesel stark staatliche subventioniert war und ist, will den Antrieb ja kaum einer haben.

  • @Klaus Samer
    Man kann auch sagen...Musk hat hier ein Schneeballsystem aufgezogen.

  • Musk ist ohne Frage ein guter Verkäufer in eigener Sache, die Autos sind durchaus wettbwerbsfähig und derzeit treibt er die etablierte Automobilindustrie vor sich her. Dies macht er allerdings mit dem Geld seiner Aktionäre, die Gläubigen der Tesla Gemeinde und da gleichen sie den Applejüngern, geben gerne Geld sie sind allerdings, bewußt oder unbewußt, Zocker und keine Investoren.

    Für die Tesla Aktie gilt Umsatz ist der neue Gewinn, ist genauso bescheurt wie es sich anhört. Hatten wir schonmal 2000.

    Liebe Tesla-Aktionäre ihr müßt jetzt ganz tapfer sein ihr seid keine Investoren, ihr seid early adopters mit tiefen Taschen die karritativ tätig sind indem sie Musk seine Träume ermöglichen. Danke für soviel Selbstlosigkeit dafür darf man dann auch ein bischen Neid ernten wenn man auch noch den Tesla über die Straßen bewegt. Eitelkeit ist bisweilen ein teures Hobby, aber man kann es sich ja leisten.

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