Elektroautos
BMW und SGL eröffnen Karbonwerk in Washington

BMW und SGL starten mit einem riesigen Werk für Faserwerkstoffe ins Karbonzeitalter. Die Karbonhüllen sollen den für 2013 geplanten BMW-Elektroautos i3 und i8 einen Wettbewerbsvorteil sichern.

Moses Lake/ MünchenDas Fundament für den Erfolg der Elektroautos wird in Los Angeles gleich neben einer Frittenbude gelegt. 550 Menschen arbeiten hier für Hitco, einem Ableger des Wiesbadener Chemiespezialisten SGL Carbon. Kaum jemand ahnt, dass hier hinter den Sicherheitsschleusen ultraleichte Bauteile für Kampfbomber aus Kohlefaser produziert werden.

Hitco ist längst nicht mehr nur für Militärs und Flugzeugbauer interessant. Die Großaktionäre heißen neuerdings Susanne Klatten und Volkswagen. Die BMW-Erbin und der Wolfsburger Autokonzern kaufen fleißig Aktien der Hitco-Mutter SGL. Denn die leichten Kohlefasern gelten als die Schlüsseltechnik für den Bau von Elektroautos. Federleichte Karosserien, so die Vision, sollen aus behäbigen Batterieautos attraktive Cityflitzer machen.

Die Münchener haben die Nase vorn: In der Nacht auf Freitag starteten BMW-Chef Norbert Reithofer und der Vorstandsvorsitzende von SGL, Robert Koehler, ihr Karbonzeitalter: Ein riesiges Werk für Faserwerkstoffe im US-Staat Washington hat offiziell die Produktion aufgenommen. Mehr als eine halbe Milliarde Euro lassen sich BMW und SGL das Produktionsnetzwerk in den USA und Deutschland kosten. Die Karbonhüllen sollen den für 2013 geplanten BMW-Elektroautos i3 und i8 einen Wettbewerbsvorteil sichern. "Das ist ein Meilenstein in der BMW-Geschichte", sagt Reithofer.

Der BMW-Chef nutzt den Trip in die USA zu einem Besuch bei Boeing. Der Flugzeughersteller ist derzeit der weltweit größte Abnehmer für Kohlefaser, das neue Langstreckenflugzeug "Dreamliner" erhält als erstes Passagierflugzeug der Welt einen Rumpf aus Kohlefaser. Auch Konkurrent Airbus arbeitet intensiv an der Technik. "Ein Kilo Gewicht an Bord eines Langstreckenflugzeugs kostet die Fluggesellschaften pro Jahr 3000 Dollar Sprit" rechnete kürzlich erst Jean Botti vor, Technikchef der Airbus-Mutter EADS. Doch die Technik hat ihre Tücken: Siebenmal musste Boeing wegen Problemen mit der Produktion der Kohlefaserrümpfe die Auslieferung seines Fliegers verschieben. Bislang ist der "Dreamliner" ein Milliardengrab für Boeing. Mindestens zehn Milliarden Dollar wird das Unternehmen verbrannt haben, bevor All Nippon Airlines Ende September seinen ersten "Dreamliner" erhalten wird.

Zwei Jahrzehnte haben sich die Flugzeughersteller Zeit damit gelassen, den Werkstoff einzubauen. Bei BMW soll das in zwei Jahren passieren. "Wir haben das Thema Karbon inzwischen sehr gut im Griff", sagt Reithofer. Doch die Münchener sind sich des Risikos sehr bewusst.

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