Elektroautos
Tesla will die Poleposition verteidigen

Auf der IAA streiten die großen Autohersteller noch, wer das Elektroauto als Erster massentauglich auf den Markt bringt. Ein kleines Unternehmen könnte ihnen dabei bereits einen Schritt voraus sein. Tesla aus Kalifornien will nun eine familientaugliche Limousine an den Start bringen – und steht kurz vor dem Aufbau einer neuen Fabrik.

FRANKFURT. Elektroautos sollen der Autobranche die Zukunft sichern. Egal ob Renault, Daimler oder Toyota, alle großen Hersteller wollen mit Strom angetriebene Autos massenmarkttauglich machen. Doch beim Rennen um das Elektroauto sind die Großen der Branche ins Hintertreffen geraten. Ein amerikanisches Start-up hat ihnen den Schneid abgekauft. Der US-Pionier Tesla hat mit dem Sportwagen Roadster das erste und bisher einzige Elektroauto auf den Markt gebracht, das für die Autobahn zugelassen und dort bereits unterwegs ist. Tesla ist technisch so weit, dass der deutsche Autobauer Daimler sich samt seinem Anker-Aktionär Abu Dhabi mit zehn Prozent an dem Unternehmen beteiligt hat. Eine Investition in die eigene Zukunft.

Auf der IAA zeigt das Unternehmen nun sein Model S, das bis zu sieben Personen Platz bietet und eine Reichweite von 480 Kilometern hat. Es richtet sich auch mit einem angestrebten Preis von 50 000 Dollar an eine ganz andere Kundenschicht als der doppelt so teure Roadster.

20 000 der „sportlichen Familienautos“, die in weniger als sechs Sekunden auf 100 Kilometer pro Stunde beschleunigen, will Tesla-Chef Elon Musk im Jahr verkaufen, wie er im Gespräch mit Handelsblatt.com sagt. Dieser Absatz wäre 20-mal größer als der des Roadsters. „Für uns ist das Model S ein großer Schritt nach vorne.“ Denn das Ziel des Unternehmens definiert der für die Geschäftsentwicklung zuständige Diarmuid O’Connell: „Wir wollen einen Massenmarkt für Elektroautos schaffen.“

Bei der Suche nach Produktionsanlagen in Kalifornien sieht sich Tesla kurz vor dem Ziel. „Es gibt einen Letter of Intent für den Kauf einer Anlage“, sagt Musk. Sie habe eine Fläche von rund 10 Hektar. Er hofft, dass aus der Absichtserklärung innerhalb der kommenden sechs Wochen ein Abschluss wird.

Ausweiten will Tesla auch sein Verbreitungsgebiet. Die bisher ausgelieferten rund 700 Elektroautos fahren fast alle in den USA. Etwa jede dritte der rund 1500 Vorbestellungen kommt aber schon jetzt aus Europa. Und nach Musks Einschätzung kann der alte Kontinent als Markt für Tesla größer werden als Nordamerika. Deshalb hat das Unternehmen vor wenigen Tagen in München seine erste Niederlassung auf dem europäischen Festland eröffnet, im November soll eine zweite in Monaco folgen, bereits seit Juni ist es in London präsent. Deutschland betrachtet Musk als zweitwichtigsten Markt hinter den USA. In Asien will er vom kommenden Jahr an ebenfalls aktiv sein.

Das zweite Standbein von Tesla ist der Verkauf von Antriebssystemen. So liefert das Unternehmen dem Partner Daimler das Batteriepaket für die neue Generation des Elektro-Smarts. Auch mit anderen Herstellern will O’Connell ins Geschäft kommen.

Ob ein Unternehmen mit derart ehrgeizigen Zielen sein Wachstum aus eigener Kraft stemmen und selbstständig bleiben kann? Nur zum Vergleich: Renault zum Beispiel will vier Milliarden Euro in die Elektroauto-Entwicklung investieren. Die Partnerschaft mit Daimler will O’Connell vertiefen, kann sich auch vorstellen, dass der Partner seine Beteiligung an Tesla erhöht. Im Jahr 2015 sieht Musk, der Daimler als „großen Bruder im positiven Sinne“ bezeichnet, Tesla aber als weiterhin unabhängiges Unternehmen. „2020 wahrscheinlich immer noch, aber wer weiß.“

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter
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