Elektroautos
Was E-Autos wirklich erfolgreich macht

Die Kaufprämie für E-Autos reicht alleine nicht aus, um Elektroautos zum Durchbruch zu verhelfen. Welche Faktoren tatsächlich entscheidend sind und warum Daimler bei dem Thema gerade besonders aktiv ist.

Wolfsburg/Berlin Ohne kräftige Investitionen in das Ladenetz und deutlich höhere Batterie-Reichweiten kann die Kaufprämie nach Einschätzung von VW Elektroautos noch nicht zum Durchbruch verhelfen. „Die Prämie ist ein erster richtiger Schritt“, sagte Betriebsratschef Bernd Osterloh der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Aber alleine reicht sie nicht.“ Auch Konzernchef Matthias Müller bezweifelt mittlerweile, dass sich die Nachfrage nach E-Fahrzeugen nur mit Hilfe des „Umweltbonus“ wirksam ankurbeln lässt.

„Entscheidend ist die Kombination aus Preis, Reichweite und die Infrastruktur zum Laden - insbesondere zum Schnellladen“, meinte Osterloh. „Solange man diesen Dreiklang nicht klärt, wird das Thema nicht fliegen.“ Der Chef der Arbeitnehmerseite in Deutschlands größtem Unternehmen sieht vor allem im lückenhaften Stromladenetz eine hohe Hürde: „Man kann doch in einer Großstadt wie Berlin zum Laden nicht ein Verlängerungskabel aus dem Fenster hängen.“

Trotz dieser Probleme arbeiten die Autokonzerne weiter eifrig an der Entwicklung neuer E-Autos. Einem Insider zufolge will Daimler sechs neue Elektro-Autos auf den Markt bringen. Im Wettlauf mit Volkswagen oder dem US-Anbieter Tesla könnten es aber auch bis zu neun Modelle werden, sagte der mit den Planungen Vertraute am Samstag der Nachrichtenagentur Reuters. Zuvor hatte die „Automobilwoche“ berichtet, zwischen 2018 und 2024 kämen mindestens sechs elektrische Modelle auf den Markt.

Nach Einschätzung von Bernd Osterloh ist der Aufwand für dichte Ladenetze enorm. Bisher stehe dahinter kein Geschäftsmodell, weshalb Stromkonzerne nicht stärker in Vorleistung gingen. „Daher liegt der Schlüssel meiner Meinung nach zunächst bei der Batteriereichweite“, sagte Osterloh. „Und da werden wir bei den nächsten Batteriegenerationen große Schritte sehen - aber eben nicht über Nacht. Die Erhöhung der Reichweite wird schrittweise erfolgen.“

Die vor ihrem Beschluss ebenso umstrittene wie von großen Hoffnungen begleitete Elektroauto-Kaufprämie stößt bisher auf ein geringes Interesse. Seit Anfang Juli können Kunden rückwirkend für Fahrzeuge, die vom 18. Mai an gekauft wurden, beim zuständigen Amt Bafa die Förderung beantragen. Für reine „Stromer“ gibt es 4000 Euro und für Hybridwagen 3000 Euro, die Bund und Industrie zur Hälfte finanzieren. Bis zum 1. September gingen jedoch gerade einmal 3027 Anträge ein.

Ein besseres Ladenetz und eine höhere Reichweite seien als Faktoren „wohl wichtiger als der Anschaffungspreis“ des Wagens, sagte Müller kürzlich im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten. Auf die Frage, ob die Subvention den nötigen Schub für die Technologie bringen könne, meinte der VW-Vorstandschef: „Im Moment schaut es nicht so aus.“

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