Elektrogerätegesetz
Der Föhn gehört nicht in die Tonne

Ab sofort endet das Ex und Hopp für Elektrogeräte. Denn nach dem neuen Elektrogerätegesetz muss die Industrie alte Fernseher, Handys und Sonstiges zurücknehmen. Die Wiedergewinnung von Rohstoffen soll dadurch begünstigt werden.

BERLIN. Komplizierter als der Kauf neuer Elektronikgeräte wird es für Deutschlands Verbraucher, sich von ausrangierten Altgeräten zu trennen. Ab heute, so will es der Gesetzgeber, ist es bei allem nahezu Elektrischen mit dem leichtfertigen Ex und Hopp vorbei.

Mit siebenmonatiger Verspätung startet dann, was eine Brüsseler Richtlinie seit Februar 2003 fordert: Anstelle der Kommunen stehen ab sofort nur noch die deutschen Hersteller und Importeure in der Pflicht, die von den Gemeinden eingesammelten Elektroaltgeräte zu entsorgen. Und auch für deren Kunden wird manches schwieriger. Haartrockner, Rasierapparate und PC-Drucker können sie dann nicht mehr in die Hausmülltonne werfen, sondern müssen sie zu einer der insgesamt 1 500 kommunalen Sammelstellen befördern – falls sie die Gemeinde nicht auf Verlangen abholt.

Dort müssen sie ihren Elektroschrott dann noch einmal, je nach Artikelart, in fünf verschiedene Müllfraktionen trennen. Selbst Müllexperten dürfte dies nicht immer gelingen. So sind Glühbirnen von der Rücknahmepflicht ausgenommen, Energiesparleuchten aber nicht. „Manch einer wird sich außerdem fragen“, prophezeit Gotthard Graß vom Branchenverband ZVEI, „ob eine PC-Maus nun zu den Kleingeräten oder zu den Altcomputern geworfen werden muss.“

Nach Schätzungen des ZVEI fallen in den privaten Haushalten jährlich 1,1 Mill. Tonnen Elektroschrott unter die neue Regel – vom Handy bis zum Kühlschrank oder Geschirrspüler. Zum Vergleich: Das Duale System Deutschland (DSD), das sich um die Rücknahme gebrauchter Verpackungen kümmert und dazu den Grünen Punkt lizenziert, kommt gerade einmal auf die dreifache Menge.

Bislang hat sich die deutschen Industrie ihr Rücknahmesystem für Elektroschrott überraschend geräuschlos gezimmert. Umweltskandale und Finanzierungskrisen, die den Start des Grünen Punktes vor 15 Jahren begleiteten, sind jedenfalls nicht in Sicht – vom Ausmaß der Querelen rund um das Einwegpfand, das ab Mai über ein einheitliches System flächendeckend verrechnet werden soll, ganz zu schweigen.

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