Elektrokonzern
Top-Manager kehren ABB den Rücken

Nach nur eine Jahr im Amt verlässt der Forschungschef schon wieder den Elektrokonzern ABB. Auch Vorstandschef Hogan hatte erst kurz zuvor seinen Rücktritt erklärt. Damit fehlen ABB gleich zwei Spitzenkräfte.
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MünchenDer Elektrokonzern ABB kämpft mit Personalproblemen auf höchster Ebene. Nur wenige Tage nach der Ankündigung des Abgangs von Vorstandschef Joe Hogan nimmt auch Forschungschef Prith Banerjee seinen Hut. Der Amerikaner werde aus familiären Gründen in den nächsten Wochen wieder nach Kalifornien zurückkehren, teilten die Schweizer am Montag mit. Es gebe kein strategisches oder persönliches Zerwürfnis mit dem früheren Hewlett-Packard -Manager, der erst ein Jahr für ABB arbeitet, sagte ein Konzernsprecher. Nach einem Nachfolger werde intern und extern gesucht. Vorübergehend übernehme der Schwede Claes Rytoft Banerjees Aufgaben.

Verwaltungsratschef Hubertus von Grünberg muss nun gleich für zwei Spitzenposten neues Personal suchen. Erst am Freitag hatte ABB-Chef Hogan überraschend seinen Rücktritt aus privaten Gründen angekündigt. Ein Wechsel zu einem anderen Unternehmen sei nicht der Grund für seinen Abschied, beteuerte ABB. Erst im vergangenen Herbst hatte der Siemens -Rivale seinen langjährigen Finanzchef Michel Demare verloren, der Verwaltungsratschef beim Agrarchemiekonzern Syngenta wurde.

Die Reihe von Abgängen bei den Schweizern überrascht Experten. „Wir glauben nicht, dass Hogans Weggang mit dem wirtschaftlichen Erfolg oder internen Konflikten zu tun hat. Aber wir stellen schon fest, dass erst Ende vergangenen Jahres der Finanzchef gegangen ist und es eine gewisse Zeit braucht, um Kontinuität in der Führung wiederherzustellen“, urteilten die Analysten von Baird.

Die Kollegen der Bank of America tippen auf einen internen Kandidaten für die Chefnachfolge: „Wir glauben, der Verwaltungsrat wird sich sowohl intern als auch extern umtun, allerdings halten wir einen hauseigenen Kandidaten für wahrscheinlich, um damit Beständigkeit zu demonstrieren.“ Ähnlich äußerte sich Morgan Stanley. „Die Managementbank bei ABB ist etwas stärker als vor fünf Jahren.“ Unter den aktuellen ABB-Vorstandsmitgliedern wird der 49-jährige Deutsche Ulrich Spiesshofer als Favorit gehandelt.

ABB gilt in der Branche als Paradebeispiel eines erfolgreich geführten Unternehmens, das sich nach einer tiefen Krise wieder nach oben gearbeitet hat. In den vergangenen Jahren lotste Hogan die traditionell vorsichtigen Schweizer auf eine milliardenschwere Einkaufstour, um sie internationaler aufzustellen. Die Übernahmen von US-Firmen wie Thomas & Betts und Baldor verliefen geräuschlos und rechneten sich für ABB. Kühn erschien angesichts der Solar-Krise der jüngst angekündigte Kauf des Zulieferers Power-one.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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