Elektrokonzern
Toshiba knickt vor seinem Erzrivalen ein

Geschäft geht über Stolz: Der japanische Elektrokonzern Toshiba bewirbt sich bei Konkurrent Sony und dessen Verbündeten um die Aufnahme in den Verein der Anbieter von Videogeräten für Blue-Ray-Spieler.

TOKIO. Blu-Ray gilt als Nachfolgetechnik der DVD. „In Anbetracht des Wachstums von Elektrogeräten, die diesen Standard unterstützen, haben wir einen Beitritt zur Blu-Ray Disc Association beschlossen“, teilte Toshiba gestern in Tokio mit. Toshiba hatte zunächst zeitgleich mit Sony ein Konkurrenzprodukt für Videoaufnahmen in besonders guter Bildqualität entwickelt. Sony setzte seine Blu-Ray-Scheibe jedoch als Marktstandard durch.

Der Walkman-Konzern zog mehr Filmstudios auf seine Seite und zwang Toshiba und seine Verbündeten damit zum Aufgeben. Damit hat die Sony-Allianz endgültig über den Erzrivalen triumphiert. „Es hat keinen Sinn, auf das Geschäft mit Blu-Ray geräten zu verzichten, bloß weil wir den Formatkrieg verloren haben“, hatte Toshibas damaliger Präsident Atsutoshi Nishida im Juni auf der Hauptversammlung des Unternehmens zugegeben. Zum Blu-Ray-Verein gehören auch Panasonic, Philipps und Samsung.

Toshiba brauchte fast zwei Jahre, um nach der Niederlage ins feindliche Lage zu wechseln. Blu-Ray-Laufwerke stecken heute in Videospielern, PCs und anderen Geräten – die größtenteils auch zum Programm von Toshiba gehören. Das Unternehmen lief Gefahr, ohne die modernen Laufwerke altbacken auszusehen.

In Rückzugsgefechten versuchte der Großkonzern zwar, Sony mit herkömmlichen DVD-Playern, die praktisch die gleiche Bildqualität erlaubten wie Sonys Edelscheiben, das Leben schwer zu machen. Doch der Markt für die echten Blu-Ray-Geräte stieg bis Mai 2009 in Japan auf einen Anteil von zwei Dritteln an allen verkauften Videorekordern, wie das Marktforschungsunternehmen BCN ermittelte. Toshiba geriet mehr und mehr unter Zugzwang.

Blu-Ray wird derzeit nicht nur vom Anteil her, sondern auch gemessen am absoluten Absatz zu einem immer wichtigeren Geschäft. Im ersten Quartal 2009 ist der Absatz von Blu-Ray-Geräten in den USA um 72 Prozent gestiegen, so die Marktforscher von NPD Research. Hauptgrund sei die Verbreitung von hochauflösenden Fernsehern. Doch die Konsumkrise hinterließ auch in diesem Markt Spuren. Der Durchschnittspreis gab binnen Jahresfrist von 390 Dollar auf 260 Dollar nach.

Dennoch sehen die Elektrokonzerne im Blu-Ray-Geschäft einen Wachstumsmarkt. Denn das neue Datenformat ist wie gemacht für dreidimensionale Filmproduktionen, die derzeit schwer in Mode kommen. Hollywood-Größen wie Peter Jackson, Regisseur von „Der Herr der Ringe“, drehen derzeit erste richtige 3D-Spielfilme. Panasonic, Sony und die anderen hoffen nun, dass sich genug Kunden für die Neuerung interessieren. Auf eine Blu-Ray-Discs passen die für 3D erforderlichen separaten Kanäle problemlos.

Dennoch droht dem neuen Geschäftsfeld Gefahr: Während Blu-Ray sich für die Aufzeichnung hochauflösender Videodaten weltweit fest eingebürgert hat, verbreitet sich auf dem chinesischen Markt ein einheimischer – und deutlich preiswerterer – Standard. China Blue High-definition Disc (CBHD) ist eine Eigenentwicklung, die ähnlichen Anforderungen genügt wie Blu-Ray.

Die China-Scheibe wird selbstverständlich auch von einer Vereinigung von Industrieunternehmen mit einem klangvollen Namen gestützt: der China High Definition DVD Industry Association. Ein CBHD-Rekorder ist für weniger als 200 Euro zu haben. Hersteller der Laufwerke sind TCL oder Shinco. Die Chinesen stehen nicht ohne den Segen der Inhalteanbieter da. Das Hollywood-Studio Warner Brothers hat bereits angekündigt, rund hundert Filme im CBHD-Format herauszubringen.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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