Elektromobilität
Merkels leere Schaufenster

Beim Gipfel zur Elektromobilität regiert in Berlin der Zweckoptimismus. Dabei ist die Bilanz der bisherigen Förderpolitik verheerend. Nun soll die nächste Offensive gestartet werden.
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BerlinVerkehrsminister Peter Ramsauer will keine Zweifel aufkommen lassen. „Es gibt für die Bundesregierung keinen Grund, vom Ziel einer Million E-Autos in 2020 abzurücken. Die ersten Schritte sind meist die schwersten, der Absatz wird aber rasant zunehmen“, gibt sich Ramsauer kämpferisch. Das heutige Treffen der Kanzlerin mit den Großen der Autoindustrie soll der Elektromobilität zusätzlichen Rückenwind verleihen. Obwohl die Absatzzahlen eine deutliche Sprache sprechen, übt sich die Branche im Zweckoptimismus. Ab 2015 solle der Markt „hochlaufen“ verspricht Henning Kagermann, der Vorsitzende der Nationalen Plattform Elektromobilität. Ein um 20 Prozent niedrigerer Preis für Batterien bis 2020 „würde 250.000 mehr Autos bedeuten“.

Die Geschichte der Elektromobilität in Deutschland ist eine Geschichte der großen Ankündigungen. Die letzte liegt gerade mal zwei Jahre zurück. 2011 hatte die Bundesregierung die Einrichtung von vier Schaufensterregionen beschlossen – in Baden-Württemberg („Living Lab BW E-Mobil“), Berlin/Brandenburg („Internationales Schaufenster der Elektromobilität“), Niedersachen („Unsere Pferdestärken werden elektrisch“) und Bayern/Sachsen („Elektromobilität verbindet“) sollte die Elektromobilität bis 2015 besonders gefördert werden. „Die neuen Schaufenster werden zum Aufschwung der Elektromobilität in Deutschland beitragen“, versprach Kanzlerin Merkel.

Mittlerweile ist ein Drittel der Förderzeit vergangen. Innerhalb von drei Jahren werden Fördergelder von 180 Millionen Euro bereitgestellt werden. Eine Studie des Center Automotive Research (CAR) der Universität Duisburg-Essen zieht nach 15 Monaten eine düstere Zwischenbilanz.

„Die Leitmarktvision der Kanzlerin bleibt Vision“, so das Fazit der Wissenschaftler. 1.509 Elektrofahrzeuge wurden in den ersten vier Monaten des Jahres 2013 zugelassen. Zieht man die Herstellerzulassungen ab, bleiben nur einige hundert zugelassene Fahrzeuge. Im Vergleich zu den Elektromodellen sei selbst der Ferrari 450 Italia ein Verkaufsschlager. Von einer Nische zu sprechen sei für Elektroautos schon übertrieben. Ihr Marktanteil in Deutschland liege immer noch bei mickrigen 0,12 Prozent, dieses Jahr soll er auf 0,13 Prozent steigen. Von den 43 Millionen zugelassenen Autos in Deutschland fuhren Ende 2012 gerade einmal 7000 mit einem Elektromotor. Und von der versprochenen Infrastruktur sei bisher wenig zu sehen.

Dabei sollten die Schaufenster die Elektroförderung von der bisherigen Kleinstaaterei befreien. „Die Schaufenster der Elektromobilität dienen groß angelegten Demonstrationen und der Erprobung innovativer Entwicklungen“, verkündeten die beteiligten Bundesministerien damals großspurig. Man wollte aus den Fehlern des Konjunkturpaketes II lernen. 2009 waren rund 120 Millionen Euro in 180 Projekte geflossen, auch damals war die Wirkung ausgeblieben.

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Kommentare zu " Elektromobilität: Merkels leere Schaufenster"

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  • Ein weiteres Hirngespinst der Merkel. Siehe Benzin E 10. Diese Person hat von vielem keine
    Ahnung und zeigt uns dies fast täglich wenn sie denn mal auf der Bildfläche erscheint und den Mund aufmacht. Alles auf Kosten der Bürger. Wie teuer soll der Strompreis dann werden? Vorausgesetzt wir haben ausreichend Strom.

  • ÄNDERT ABER NICHTS AM HEHREN ENERGIE VERBRAUCH und GESAMTE KETTE ENERGIE ERZEUGEN , WEGE VERLUST , LADEVERLUST und BEI KÄLTE ENERGIE NICHT ABRUFBAR . . . UND HEIZTEN IST NICHT MIT ENERGIE VERLUSTE GEMACHT sondern FRISST VON BATTERIE . . .
    UND UMWELTFREUNDLICHER ??? KOHLEDRECK ZUM STROMERZEUGEN WIRD BLOSS WO ANDERS GEMACHT und ÜBER WEG WO DRECK GEMACHT WURDE bis LADESTECKDOSE IST HÄLFTE ENERGIE , Ohm'sches Gesetz , SCHON VERSCHWUNDEN . . .

    . . . .
    HERSTELLEN , MACHT MEHR DRECK ALS UMWELTDRECK MIT EINGESPART WERDEN KANN .

    Frank Frädrich

  • E-autos werden beim heutigen System keinen nennenswerten Erfolg haben, warum:
    1. die geringe Reichweite und damit die Angst,
    unterwegs liegen zu bleiben,
    2. die Meisten haben keine Garage oder andere Stromquellen.
    Deshalb empfehleich: tanken muss werden wie beim Sprit- ich fahre mit dem e-auto zur nächten Tankstelle und tausche mein (fast) leere Batterie gegen eine volle. Dieser Vorgang dauert genauso kurz wie Benzin tanken. Hierfür müssten die Hersteller verpflichtet werden, die Austauschbarkeit der Batterien zu gewährleisten und gleiche Module an Batterien zu bauen, die in jedes Auto passen - oder einige verschiedene, für grosse und kleinere Autos. Die (normale (Benzin-) Tankstelle hätte damit den selben Umsatz wie mit Sprit. Damit wäre das Risiko des Liegenbleibens gelöst und gleichzeitig wäre jedem Autofahrer die Möglichkeit gegeben, ein e-Auto zu kaufen. Ich bin überzeugt, dass nicht der etwas höhere Preis ein Hinderungs- grund für den Kauf ist, sondern die fehlenden Tankstellen. Liebe Grüße an die Bundesregierung!!

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