Elektronikkonzern
ABB warnt vor Gewinneinbruch

Kurzarbeit, Nebelwand, Stellenstreichungen. Das sind die Schlagwörter der Industrieunternehmen derzeit. Und wer Geld mit Robotern und anderen Zulieferungen für solche Firmen verdient wie ABB, dem kann es nicht gut gehen. So sehen dann auch die Quartalszahlen aus.

ZÜRICH. Der Schweizer Industriekonzern ABB verstärkt seine Sparbemühungen. Nachdem Umsatz und Gewinn im ersten Quartal zum Teil deutlich zurückgegangen sind, will Konzernchef Joe Hogan jetzt die Kosten bis 2010 um zwei Mrd. Dol-lar drücken. Das ist fast doppelt so viel wie bislang geplant war.

Es ist bereits das zweite Mal, dass ABB die Kostenbremse anzieht. Hogan kündigte an, dass ein Stellenabbau unumgänglich sei, wenn der Auftragsrückgang anhalte. Sorgenkind der ABB ist vor allem die Sparte Robotik, wo die Bestellungen um die Hälfte eingebrochen sind. Die Börse reagierte mit einem Minus von fast fünf Prozent auf die schlechten Nachrichten.

Die Einbrüche bei ABB zeigen, dass selbst Infrastrukturanbieter von der Wirtschaftskrise nicht verschont bleiben. Die Schweizer gehören zu den führenden Anbietern von Energietechnik. Die Kreditklemme erschwert die Finanzierung von privaten Projekten und die staatlichen Ausgabenprogramme schlagen sich noch nicht in den Auftragsbüchern nieder.

Zwar konnte ABB in den vergangenen Monaten eine Reihe von Großaufträgen mit einem Volumen von mehr als 15 Mio. Dollar verbuchen. Die kleineren Basisaufträge brechen jedoch weg. Daraus resultiert auch der Ertrags-druck. Sind die Gewinnmargen bei den kleineren Projekten in der Regel höher. Der Negativtrend dürfte auch beim Konkurrenten Siemens sichtbar werden. Die Münchener legen nächste Woche ihre Zahlen vor.

„Viele Leute schauen nur auf die Großaufträge, aber die kleineren Bestellungen machen den Großteil des Geschäfts aus“, sagte Ralf Rybarczyk, Fondsmanager bei DWS Investments, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bei ABB ging der Auf-tragseingang in den ersten drei Monaten insgesamt um 16 Prozent zurück. Der Umsatz sank um neun Prozent auf 7,2 Mrd. Dollar zurück, der Reingewinn brach um mehr als ein Drittel auf 652 Mio. Franken ein. „Ohne den Auftragsbestand (von 25 Mrd. Dollar) würde die Umsatzent-wicklung ziemlich düster aussehen“, sagte Richard Frei, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank.

„Die Nachfrage im Energiesektor und in der Öl- und Gasindustrie blieb relativ stabil“, sagte Konzern-chef Hogan. Es werde aber schwer, im zweiten Quartal das Niveau im Auftragseingang zu halten. Die geringe Kapazitätsauslastung drücke auf die Erträge. Hogan kündigte an, dass ABB insbesondere beim Einkauf und bei den Verwaltungs-kosten strenge Disziplin wahren wolle. Der Amerikaner will aber an den Ergebniszielen festhalten. Demnach soll der Jahresgewinn bis 2011 um jeweils bis zu 16 Prozent angehoben werden. Das gilt allerdings nicht für die krisengeschüttelte Robotik-Sparte. Zwar will Hogan Zukäufe nicht ausschließen. Die angehäuften Barmittel von rund fünf Mrd. Dollar dienen aber im Moment vor allem dazu, das „eigene Schicksal“ selbst in den Händen zu behalten.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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