Anders sehe es bei sogenannten Speed-Pedelecs mit 500 Watt Leistung aus. „Dort sehen wir deutlichen Regelungsbedarf“, sagt Meyer. „Denn schon der Elektromotor alleine reicht, um auf Tempo 20 zu kommen. Wenn man dazu noch strampelt, erreicht man 45 Stundenkilometer.“ Derartige Pedelecs benötigten ein Versicherungskennzeichen und dürften nicht auf Radwegen fahren. „Außerdem muss eine Helmpflicht her“, sagt Meyer.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) tritt dagegen bei der Helmpflicht auf die Bremse. Es gebe keine sicheren Fahrradhelme für Geschwindigkeiten von mehr als 20 Stundenkilometer, sagt Rechtsreferent Roland Huhn. Schutz könnten nur Motorradhelme liefern. „Aber mit denen kann man nicht Fahrrad fahren.“ Auch der ACE warnt vor allzu strikten Regelungen für Pedelec-Fahrer. „Wer den Leuten rechtlich in die Speichen greift, muss wissen, dass er damit eine Form der Mobilität behindert, die aus verkehrspolitischer, energiepolitischer, ökologischer und gesundheitspolitischer Sicht ideal und daher nur zu begrüßen ist“, meint Sprecher Hillgärtner.
ADAC und ACE appellierten an die Kommunen, die Radwege auszubauen und zu verbreitern. Mit der weiteren Zunahme von Pedelecs werde die Zahl der Überholungen zunehmen, sagt ADAC-Experte Markus Schäpe. Deshalb müssten die Radwege nicht nur breiter werden, sondern auch einen großzügigeren Kurvenradius bekommen und gute Sicht an Einmündungen ermöglichen.
Pedelecs hätten so oder so eine große Zukunft, vor allem bei älteren Menschen, glaubt ADAC-Präsident Meyer. Auch persönlich sei er nicht abgeneigt, sich auf ein Fahrrad mit elektrischem Zusatzantrieb zu setzen. Weil ihm kürzlich sein Fahrrad gestohlen worden sei, habe er sich in der vergangenen Woche ein neues gekauft, sagt der 62-Jährige. Diesmal habe er allerdings noch ein ganz normales Tourenrad gewählt.