Elektrotechnikbranche
ABB geht auf Tuchfühlung zum Margenziel

Der Schweizer Elektrotechnikkonzern ABB hat im ersten Quartal 2006 von den Investitionen der Energiebranche profitiert und Tuchfühlung zu dem erst für 2009 angepeilten operativen Margenziel aufgenommen. Am Horizont zeichnen sich jedoch Risiken ab.

HB ZÜRICH. Ein Sonderaufwand für den Asbestvergleich sorgte aber dafür, dass der Reingewinn mit den Verbesserungen des Betriebsergebnisses nicht Schritt halten konnte. Für den restlichen Jahresverlauf geht ABB von einem positiven Umfeld aus, auch wenn Risiken sichtbar werden. Die Aktie litt unter Gewinnmitnahmen.

Für das Startquartal 2006 wies ABB gemäss einer Mitteilung vom Donnerstag mit 204 (Vorjahr 199) Millionen Dollar einen nur marginal höheren Reingewinn aus. Darin enthalten ist eine Belastung von 89 Millionen Dollar wegen der Wertsteigerung der in den Asbestvergleich eingehenden ABB-Aktien. Das Betriebsergebnis (Ebit) sei um 30 Prozent auf 509 Millionen Dollar gestiegen und erreichte damit 9,4 Prozent des Umsatzes.

Bis 2009 peilt ABB eine Betriebsgewinn-Marge von über zehn Prozent und eine Reingewinnmarge von über fünf Prozent an. Obwohl sich ABB zumindest bei der operativen Marge dem Zielwert schon stark angenähert hat, will das Unternehmen die Ziele nicht anpassen. „Wir kalkulieren sicherheitshalber einen kleinen konjunkturellen Dämpfer bis 2009 ein“, erklärte ein Konzernsprecher.

Konzernchef Fred Kindle sagte auf einer Telefonkonferenz, dass er einen Branchenabschwung 2007/08 nicht ausschliessen könne, doch sei dies gegenwärtig eher eine theoretische Überlegung. Das Umfeld dürfte in den kommenden Quartalen positiv bleiben. Das Nachfragewachstum bei Infrastrukturen für Stromübertragung und -verteilung in Asien und im Nahen Osten dürfte sich fortsetzen. Die Erneuerung von Ausrüstungen und Investitionen in Anlagen sollten zu einer höheren Nachfrage in Europa und Nordamerika führen. Es bestünden jedoch Risiken hinsichtlich der Auswirkungen der rapide steigenden Erdölpreise auf die Weltwirtschaft sowie einer weiteren Eskalation der Lage im Nahen Osten. Doch im Moment sei der Einfluss des hohen Ölpreises positiv und Kindle erwartet nicht, dass sich dies in den nächsten Monaten ändern wird.

Im ersten Quartal kletterte der Auftragseingang um 15 Prozent in Dollar und gar um 21 Prozent in Lokalwährungen auf 7,09 Milliarden Dollar. Der Umsatz sei dank des Wirtschaftsaufschwungs und der boomenden Ölindustrie um sieben Prozent auf 5,42 Milliarden Dollar gewachsen. Am stärksten sei der Zuwachs im Nahen Osten und Asien ausgefallen.

Die ABB-Aktien verloren bis gegen Mittag bei guten Volumen drei Prozent auf 17,80 sfr, während die europäischen Industriewerte 1,5 nachgaben. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem sich der Kurs im Vorjahr verdoppelt hatte und ABB 2006 bereits 44 Prozent an Wert gewonnen haben.

Die Bank Vontobel sprach von einem starken Auftragswachstum und einer herausragenden Ebit-Marge, obwohl die Robotik-Division wegen Restrukturierungsmassnahmen nur eine schwarze Null verbuchte. Drei der fünf Divisionen hätten ihre für 2009 gesteckten Ziele bereits erreicht, so Vontobel. Die Zürcher Kantonalbank rechnet damit, dass ABB im kommenden Jahr eine Ebit-Marge von zehn Prozent erreichen dürfte.

Ab 2007 will ABB gemäss Kindle auch wieder grössere Übernahmen ins Auge fassen. Doch zuvor wolle sich ABB weiter fit trimmen und die Bilanz stärken. In diese Bemühungen passt der zugleich gemachte Vorschlag an die Anleger, die 2007 fällige 4-5/8 Prozent Wandelanleihe über 968 Millionen Dollar in American Depositary Shares (ADS) von ABB zu tauschen. Um diesen Prozess zu beschleunigen, bietet das Unternehmen als Anreiz bis zum 4. Mai eine Barzahlung. Die Wandlung sämtlicher Titel würde zu einer Erhöhung des ABB-Aktienkapitals um rund fünf Prozent führen.

Standard & Poor's nahm die ABB-Ratings auf „CreditWatch“ für eine Hochstufung. Sollte die vorgeschlagene Wandlung auf breite Akzeptanz stossen, würde die Verschuldung von ABB deutlich sinken. Es sei möglich, dass das ABB-Rating von gegenwärtig „BBB-“ um ein oder zwei Stufen angehoben werde, so S&P weiter.

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