Eli Lilly scheitert mit Forschungsprojekt Alzheimer – eine Hoffnung weniger

Der US-Konzern Eli Lilly muss eine schwere Niederlage auf der Suche nach einem Alzheimer-Heilmittel verkraften. Forscher und Investoren sind enttäuscht. Der Schweizer Konkurrent Roche hält weiter an seinen Arzneien fest.
Update: 24.11.2016 - 10:37 Uhr 1 Kommentar
Kurssturz nach Forschungsrückschlag. Quelle: Reuters
Aktien der Pharmakonzerne stürzen ab

Kurssturz nach Forschungsrückschlag.

(Foto: Reuters)

FrankfurtDer Kampf gegen Morbus Alzheimer entpuppt sich weiter als große Herausforderung für die Pharmaforscher. Nachdem in den vergangenen Jahren bereits diverse Projekte gescheitert waren, musste nun auch der US-Konzern Eli Lilly enttäuschende Daten für seinen Wirkstoffkandidaten Solanezumab bekanntgeben. In einer sogenannten Phase-III-Studie verfehlte er den primären Endpunkt, wie Lilly mitteilte. Patienten, die mit Solanezumab behandelt wurden, hätten keine statistisch signifikante Verlangsamung beim Rückgang ihrer geistigen Fähigkeiten gezeigt.

Das Forschungsprojekt des US-Konzerns stand zuletzt stark im Blickpunkt von Pharmainvestoren. Denn im Erfolgsfall hätte Solanezumab der erste Vertreter einer neuen Klasse von Alzheimer-Medikamenten werden können. Das Marktpotenzial für wirksame Alzheimer-Medikamente wird auf zweistellige Milliardenbeträge geschätzt. Auch die Börse reagierte daher bitter enttäuscht. Die Lilly-Aktie stürzte ab. Die Aktie des Biotechunternehmens Biogen, das an einem ähnlichen Wirkstoff arbeitet, büßte auch stark ein. Auch andere Pharmawerte standen unter Druck.

„Die Resultate sind nicht so, wie wir es erhofft hatten und wir sind enttäuscht für die vielen Millionen Menschen, die auf eine wirksame Behandlung von Alzheimer warten“, ließ sich Lilly-Chef John Lechleiter in einer Pressemitteilung des US-Konzerns zitieren. Eine Zulassung von Solanezumab will Lilly nun nicht weiter verfolgen. Zugleich betonten die Manager des Konzerns, dass das Unternehmen über genügend andere Neuentwicklungen verfüge, um weiter wachsen zu können.

Mit dem Rückschlag bei Solanezumab wird die These, dass Ablagerungen Amyloid-Molekülen im Gehirn für die Demenzerkrankung verantwortlich sind, erneut in Frage gestellt. Sie ist einer der zentralen Ausgangspunkte für viele Forschungsprojekte. Ebenso wie Solanezumab zielt daher auch eine Reihe weiterer Entwicklungsprodukte von anderen Pharmafirmen darauf, diese Amyloid-Ablagerungen zu reduzieren oder ihre Bildung zu verhindern.

Dazu gehören etwa ein Medikamentenkandidat, den Biogen ebenfalls in einer großen Studie testet, oder ein Wirkstoff, den der Schweizer Konzern Roche in Kooperation mit der Münchner Morphosys entwickelt. Die Ergebnisse dieser Studien werden erst für die nächsten Jahre erwartet.

Trotz eines schweren Rückschlags des US-Rivalen Eli Lilly glaubt der Schweizer Pharmakonzern Roche weiter an zwei eigene Arzneien gegen die Krankheit. Es gebe beträchtliche Unterschiede zwischen den in der Entwicklung stehenden Crenezumab und Gantenerumab und dem Lilly-Produkt Solanezumab, erklärte ein Roche-Sprecher. Solanezumab gelang es bei Patienten mit einer leichten Form von Demenz in einer großangelegten Phase-3-Studie nicht, den Gedächtnisabbau zu verlangsamen. Lilly kündigte daher an, in den USA keine Genehmigung der Arznei zu beantragen.

Wie Solanezumab setzten auch die Wirkstoffe des Basler Unternehmens beim Protein Beta Amyloid an. „Crenezumab und Gantenerumab unterscheiden sich voneinander und auch von anderen experimentellen Medikamenten“, erklärte der Sprecher. Roche ziehe zudem Lehren aus laufenden Studien auf dem Gebiet und prüfe etwa die Auswirkungen von hohen Dosen.

Alzheimer: Keine Heilung in Sicht
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