Emissionshandel
Neue Stromanbieter kritisieren Politik

Die geplante Neuregelung des Emissionshandels macht geplante Gaskraftwerke in Deutschland unrentabel. Hintergrund der Klagen ist der neue Nationale Allokationsplan (NAP), mit dem die Verteilung der Zertifikate für den Emissionshandel in der zweiten Handelsperiode von 2008 bis 2012 geregelt werden soll.

DÜSSELDORF. Die Neueinsteiger auf dem deutschen Strommarkt fürchten um die Rentabilität ihrer Kraftwerksprojekte: Die geplanten Gas- und Dampfturbinenanlagen (GuD) würden durch die anstehende Neuregelung des Emissionshandels gegenüber Kohlekraftwerken deutlich schlechter gestellt, kritisierten Vertreter der Unternehmen Trianel, Statkraft, Mark-E und Concord Power gestern auf einer gemeinsamen Pressekonferenz in Düsseldorf. Dadurch drohten hohe Zusatzkosten, die den Markteintritt verhindern könnten.

Hintergrund der Klagen ist der neue Nationale Allokationsplan (NAP), mit dem die Verteilung der Zertifikate für den Emissionshandel in der zweiten Handelsperiode von 2008 bis 2012 geregelt werden soll. Der Entwurf, auf den sich Bundeswirtschafts- und Umweltministerium geeinigt haben, sieht gegenüber der ersten Periode eine Reihe an Neuregelungen vor, die nach Ansicht der vier Unternehmen die Betreiber alter Anlagen und den Bau neuer Kohlekraftwerke begünstigen. Im Kern richtet sich die Kritik gegen eine Regelung, dass je nach Brennstoff aufgrund historischer Erfahrungen eine jährliche Einsatzzeit der Anlage unterstellt wird, aufgrund derer Zertifikate zugeteilt werden. Bei Kohlekraftwerken sind nach Angaben der Unternehmen 7 000 Betriebsstunden angedacht, bei Gasanlagen nur 3 000.

„Das ist eine klare Benachteiligung von Gas gegenüber Kohle und würde unseren Investitionen erheblich schaden“, sagte Helge-Jürgen Beil, Geschäftsführer von Statkraft Markets. Sven Becker, Geschäftsführer der Stadtwerke-Kooperation Trianel, sprach von einer „deutlichen Wettbewerbsverzerrung“.

Das Problem: Die Neuregelung würde vor allem neue Wettbewerber treffen, die versuchen, auf dem deutschen Strommarkt Fuß zu fassen und den vier großen Produzenten Eon, RWE, Vattenfall Europe und Energie Baden-Württemberg Marktanteile abzujagen. Die Newcomer haben in erster Linie Kraftwerke mit GuD-Technik in Planung, da sie kosten günstiger sind als Kohlekraftwerke und die Genehmigungszeiten kürzer sind. Die Investitionen der Projekte von Trianel, Concord Power, Statkraft und Mark-E summieren sich auf 2,5 bis drei Mrd. Euro.

Das Bundesumweltministerium weist die Vorwürfe der Neueinsteiger zwar zurück. Die geplante Neuregelung entspreche den tatsächlichen Betriebsstunden von Gasanlagen, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Für Trianel-Chef Becker liegt den Planungen aber ein Denkfehler zu Grunde: „Großkraftwerke, wie wir sie derzeit planen, gibt es bisher gar nicht, ein Vergleich mit alten Anlagen macht kein Sinn.“ Alte Gaskraftwerke seien bislang eingesetzt worden, um Schwankungen im Stromverbrauch abzufangen. Die neuen GuD-Anlagen könnten wie die Kohleanlagen auch den Grundbedarf decken und voll belastet werden.

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