EnBW
Alte Probleme mit neuem Eigentümer

Der drittgrößte deutsche Energiekonzern EnBW wird voraussichtlich auch nach dem Ausstieg des Landes Baden-Württemberg mehrheitlich in öffentlicher Hand bleiben. Trotzdem geht das Unternehmen in eine ungewisse Zukunft: Die Geschäfte laufen nicht gut und das Land muss eine dauerhafte Eigentümerstruktur organisieren.
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STUTTGART/DÜSSELDORF. "Wir werden mit großen Stadtwerken reden", sagte Regierungschef Stefan Mappus am Dienstag auf einer EnBW-Mitarbeiterversammlung in Karlsruhe. Zwar soll ein Teil der 45 Prozent an dem Unternehmen, die das Land vom französischen Energiekonzern EDF übernimmt, über die Börse verkauft werden. Da aber bereits heute weitere 45 Prozent bei dem Stadtwerke-Zusammenschluss OEW liegen, dürfte die öffentliche Hand dennoch die Mehrheit an EnBW behalten.

Mappus hatte am Montag bekannt gegeben, den 45-Prozent-Anteil des bisherigen EnBW-Großaktionärs EDF für 4,67 Milliarden Euro zu übernehmen. Am Dienstag kündigte er an, dass die Regierung "vielleicht zwei bis drei Jahre an Bord bleiben" werde. In der Branche herrscht Verwunderung über den Aufschlag, den das Land für die Aktien bezahlt: Mit 41,50 Euro je Aktie beträgt er damit satte 18 Prozent auf den letzten Schlusskurs. Selbst wenn die Dividende herausgerechnet wird, liegt der Aufschlag noch um die 14 Prozent. Dabei sind die Zeiten für EnBW rau, die Aussichten düster.

Konzernchef Hans-Peter Villis warnte vor wenigen Wochen bei der Präsentation des Zwischenberichts für die ersten neun Monate 2010, der noch "zufriedenstellend" ausfiel, vor "erheblichen finanziellen Mehrbelastungen", die in den kommenden Jahren auf EnBW zukämen.

Die jüngst von der Bundesregierung beschlossene neue Kernbrennstoffsteuer wird das Unternehmen in den kommenden sechs Jahren jährlich rund 440 Millionen Euro kosten. Zudem muss das Unternehmen in diesem Zeitraum im Schnitt 50 Millionen Euro in den Fonds zum Ausbau der erneuerbaren Energien einzahlen. Gleichzeitig stellt sich EnBW auf sinkende Margen ein, weil die Großhandelspreise für Strom unter Druck stehen und die Belastungen durch den Emissionshandel steigen. Am Dienstag warnte Villis seine Mitarbeiter: "Für die Belegschaft wird es eher noch mehr Hausaufgaben geben." Die Landesbeteiligung sei kein Grund, sich jetzt auszuruhen.

Die mittelfristigen Planungen, die Villis jüngst seinen Führungskräften präsentierte, seien ernüchternd gewesen, berichtet ein Manager. Der Konzern muss sparen und überprüft seine Investitionen. Zwar sind die Zeiten für die gesamte Branche schwierig, Villis hat aber auch mit hausgemachten Problemen zu kämpfen. Seine Strategie ist unter den eigenen Managern umstritten.

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