EnBW
Auf die ruhige Tour

Hans-Peter Villis hat in seinem ersten Jahr als EnBW-Chef viel erreicht. Der pragmatische Führungsstil des diplomierten Ökonoms wird allseits gelobt. Hans-Peter Villis ist endgültig angekommen in Baden-Württemberg.

KARLSRUHE. Bodenfackeln weisen den Weg durchs Cannstatter Römerkastell. Ein roter Teppich führt die Gäste in die Reithalle der über einhundert Jahre alten Dragonerkaserne. Champagner und Sushi-Häppchen werden kredenzt: Wenn sich Baden-Württembergs Elite mit der aus Niedersachsen zum Gipfeltreffen zusammenfindet, ist das Beste gerade gut genug.

Etwas abseits an der Bar steht der Ex-Chef der EnBW Energie Baden-Württemberg, der Nummer drei der Branche und eines der wichtigsten Unternehmen im Land. Utz Classen hat abgespeckt seit seiner Amtszeit und trägt Vollbart. Gerade mal ein Gast hört ihm zu. Zu Amtszeiten wäre das nie passiert. Umgeben von einer Entourage wäre er über die Party gezogen. An diesem Abend fehlt ihm das Gewicht des Amtes.

Ganz anders sein Nachfolger: Keine 30 Meter Luftlinie entfernt, parliert Hans-Peter Villis mit einer Gruppe von Gästen. Ministerpräsident Günther Oettinger bleibt stehen, wechselt ein paar freundliche Worte. Villis steht locker da mit einem Glas Bier in der Hand. Als Kind des Ruhrgebiets und Sohn eines Bergmanns hat er keine Probleme, sich unter Menschen zu mischen. Die anfängliche Scheu zu Amtsantritt hat der EnBW-Chef abgelegt, Hans-Peter Villis ist angekommen in Baden-Württemberg. So locker wie an diesem 17. Dezember war der EnBW-Mitarbeiter mit der Personalnummer 500 in Stuttgart noch nie zu sehen.

"Ich pflege Kontakte sehr intensiv, aber eben nicht vor laufenden Kameras", sagt der diplomierte Ökonom. Und mehr als das: Die Bilanz seines ersten Jahres beim drittgrößten deutschen Energiekonzern fällt beeindruckend aus. Und dabei zählen die gestern präsentierten Zahlen weniger als die strategischen Erfolge. Mit seiner ruhigen und sachlichen Art hat der Manager dem süddeutschen Versorger nahezu geräuschlos Schritt für Schritt zu mehr Gewicht verholfen.

Vor allem die Beteiligung an der EWE gilt als Pluspunkt. Durch die Übernahme des 26-prozentigen Anteils an dem Oldenburger Regionalversorger im Sommer 2008 für zwei Mrd. Euro gewinnt Villis nicht nur Zugang zu neuen Kunden, sondern sichert sich zudem eine Option auf den wichtigen Erdgasimporteur VNG aus Leipzig, bei dem die Norddeutschen die größten Gesellschafter sind. Gleichzeitig sicherte er den Schwaben den Zugang zu vier Windprojekten in der Ostsee. Über drei Mrd. Euro sollen dafür fließen.

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