EnBW-Deal
Gutachter attackiert Morgan Stanley

Unvollständig und fehlerhaft sei die Analyse zum EnBW-Deal, so kritisierte Morgan Stanley das Gutachten von Warth & Klein. Nun kontert Wirtschaftsprüfer Martin Jonas: Die Investmentbank habe den Deal schöngeredet.
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StuttgartDer Erwerb des Energieversorgers EnBW durch Baden-Württemberg sorgt weiter für Streit. Der Gutachter der grün-roten Regierung des Bundeslandes wehrt sich gegen die jüngsten Vorwürfe der Investmentbank Morgan Stanley, seine Expertise sei fehlerhaft. „Das Land hat einen überhöhten Preis gezahlt. Unter normalen Umständen wäre wohl keine Transaktion zustandegekommen“, sagte Martin Jonas, Wirtschaftsprüfer von Warth & Klein, dem Handelsblatt (Montagausgabe).

Jonas gilt als einer der besten Experten in Deutschland für Unternehmensbewertung und Corporate Finance. Er hat mit der Barwertmethode einen Kaufpreis von 34,09 Euro je EnBW-Anteil ermittelt – deutlich weniger als jene 41,50 Euro, die die frühere Landesregierung unter Ministerpräsident Stefan Mappus bezahlt hatte.

Der damalige Deutschland-Chef von Morgan Stanley, Dirk Notheis hatte seinen Freund Mappus 2010 beraten, als das Land für 4,67 Milliarden Euro 45 Prozent am Energiekonzern EnBW dem französischen EdF-Konzern abkaufte. Die Investmentbank hatte eine Preisspanne ohne die Barwertmethode ermittelt. „Morgan Stanley hat den EnBW-Deal eher wie in einem Prospekt schöngeredet“, kritisierte Jonas. Es sei eine bewusste Entscheidung der Investmentbanker gewesen, auf die Barwertmethode zu verzichten.

Verwunderlich sei, dass Morgan Stanley bei anderen Bewertungen von Energieunternehmen durchaus die übliche Methode verwendete, bei der die in der Zukunft erwarteten Erträge mit einem bestimmten Zinssatz auf das Datum der Transaktion abgezinst werden. Bei Unternehmenskäufen sei immer der Blick in die Zukunft ausschlaggebend und nicht das, was in der Vergangenheit war.

Auf der Basis des Gutachtens von Warth & Klein klagt die Landesregierung vor einem internationalen Schiedsgericht gegen den Verkäufer EdF auf 834 Millionen Euro Schadenersatz – die Summe, die zu viel gezahlt worden sei.

Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " EnBW-Deal: Gutachter attackiert Morgan Stanley"

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  • Dazu müßte jemanden etwas nachgewiesen werden. Und mit so schwachen Gutachtern wird das nichts.

  • Aufhebung der Immunität damaliger Entscheidungsträger aus der Politik (z.B. Herr Mappus). Mithaftung für den entstandenen finanziellen Schaden.

    Morgan Stanley verklagen und den vollen Schaden rückfordern sind die einzig vernünftigen Konsequenzen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt.

  • Kleiner Hinweis unter BWLer an Herrn Martin Jonas: Die Barwertmethode hat einen Schönheitsfehler (der jedes Ergebnis generiert, dass man möchte!). Über den Abzinsungsfaktor, der mehr oder weniger im Ermessens des Betrachters liegt, kann das Ergebnis hoch oder runter gesetzt werden. Ich frage mich, wer den richtigen Faktor festlegen möchte. Die Barwertmethode als alleiniges Kriterium festzulegen bzw. daraus die Richtigkeit einer Entscheidung zu folgern (so lese ich das aus dem Artikel), ist ist Blödsinn.

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