EnBW
Ein Energiekonzern im Umbruch

Wenn sich am Dienstag die EnBW-Aktionäre zur Hauptversammlung treffen, ist das für den drittgrößten deutsche Versorger der Startschuss zu einem gewaltigen Umbruch. Aus dem Atomkraftkonzern soll ein grüner Vorzeigeanbieter werden. Doch der Weg ist verdammt weit.
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DüsseldorfDas Umsteuern in der deutschen Atompolitik nach dem Beben in Japan und der Katastrophe im Atomkraftwerk Fukushima trifft die EnBW stärker als alle anderen Versorger. Denn vor der erzwungenen Abschaltung seiner Meiler Neckarwestheim I und Philippsburg I bezog der Konzern mehr als die Hälfte seiner Energie aus Atomkraft.

Jetzt will ihn die künftige grün-rote Landesregierung zu einem Ökoversorger umbauen. Denn der Konzern hat neben dem Zweckverband der Oberschwäbischen Elektrizitätswerke (OEW) einen neuen Hauptaktionär: Das Land Baden-Württemberg hat im vergangenen Dezember dem französischen Energieriesen EdF für fast fünf Milliarden Euro ein 45-Prozent-Aktienpaket abgekauft. Inzwischen halten Land und OEW jeweils rund 46,5 Prozent an der EnBW.

Im Vergleich zu anderen Stromkonzernen steht sie bei erneuerbarer Energien gut da. Vor allem dank zahlreicher Wasserkraftwerke lag ihr Anteil an den Energieträgern im vergangenen Jahr bei 10,5 Prozent. Konzernchef Hans-Peter Villis will ihn bis 2020 auf 20 Prozent annähernd verdoppeln. Deshalb plant er, in den kommenden Jahren rund drei Milliarden Euro in Wind-, Biomasse- und Wasserkraftwerke zu investieren. Doch dafür braucht er die Gewinne aus der Atomkraft.

Angesichts der großen Bedeutung der Atomkraft für die EnBW und eines Anteils fossiler Brennstoffe am Energiemix von mehr als einem Drittel hat der Konzern auf dem Weg zum grünen Vorzeigeunternehmen aber einen weiten Weg vor sich. "Schneller, als wir es seit gut drei Jahren tun, kann man ein Unternehmen mit 20.000 Beschäftigten wirklich nicht umbauen", sagt Villis. Und schon jetzt stößt der Versorger auf Hindernisse. So gibt es wütende Bürgerproteste gegen das Pumpspeicherkraftwerk, das die EnBW bis 2018 gemeinsam mit RWE für Milliarden von Euro am Schluchsee bauen will. Auch zusätzliche Windkraftwerke, beispielsweise im Schwarzwald, werden auf Widerstand treffen.

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