Ende des jahrelangen Nutzfahrzeugbooms
Daimler streicht tausende Stellen in Nordamerika

Der erwartete Einbruch im Nutzfahrzeuggeschäft wird beim Weltmarktführer Daimler-Chrysler im kommenden Jahr bis zu 4 000 Mitarbeiter in Nordamerika den Arbeitsplatz kosten.

HB DETROIT/STUTTGART. Nutzfahrzeug-Vorstand Andreas Renschler sagte am Montag in Detroit, der mögliche Sparplan beinhalte 800 Stellen in Kanada, deren Streichung bereits angekündigt worden war. Eine Sprecherin ergänzte in Stuttgart, die überflüssig werdenden Mitarbeiter erhielten mehrere Monate Lohnfortzahlung sowie Krankenkassenkosten und würden bei Wiederaufschwung des Marktes bevorzugt wieder eingestellt. In Nordamerika waren Ende 2005 rund 25 300 Menschen für die Nutzfahrzeug-Hersteller des Konzerns tätig.

Für das laufende Jahr rechnet sich Daimler-Chrysler noch ein gutes Absatzniveau bei Lkw aus. Für 2007 bereitet sich der Branchenprimus jedoch seit längerem auf ein Ende des jahrelangen Nutzfahrzeugbooms vor. In den USA erwartet der Konzern einen Absatzrückgang von knapp 40 Prozent bei schweren Lastwagen und von 25 Prozent bei mittelschweren sowie leichten Lkw. In Japan wird die Nachfrage der Schätzung zufolge um ein Viertel schrumpfen, während der Absatz auf dem europäischen Lkw-Markt nur etwas schwächer erwartet wird. Im dritten Quartal hat die Truck Group von Daimler-Chrysler bei einem weltweiten Umsatz von 8,03 Mrd. Euro mit 556 Mill. Euro ihren bisher höchsten operativen Gewinn verbucht.

Renschler stärkte zugleich seinem Vorstandskollegen Tom LaSorda den Rücken, der wegen eines milliardenschweren Verlusts beim US-Pkw-Hersteller Chrysler unter Druck steht. Der Daimler-Chrysler-Vorstand habe „absolutes“ Vertrauen in LaSorda, sagte Renschler. Chrysler war im dritten Quartal wegen hoher Lagerbestände und einer schwer verkäuflichen Modellpalette in die rote Zahlen gerutscht und wird im Gesamtjahr 2006 voraussichtlich einen Verlust von einer Milliarde Euro ausweisen. Derzeit werde ein Sanierungsplan für Chrysler erarbeitet, sagte Renschler.

In der vergangenen Woche war Chrysler-Vertriebschef Joe Eberhardt von seinem Posten entbunden worden. Zeitgleich kündigte Chrysler ein weiteres Rabatt-Paket an mit einem Volumen von 500 Mill. Dollar (rund 379 Mill. Euro), mit dem die Händler beim Verkauf von Chrysler-Modellen des Baujahrs 2006 unterstützt werden sollen. Die Daimler-Chrysler-Aktie legte 1,6 Prozent auf 45,15 Euro zu.

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