Ende des VW-Gesetzes
Lücken in der Volkswagenburg

Auf ein Ende des VW-Gesetzes hat sich Volkswagen längst eingerichtet. Mit Porsche als Mehrheitsaktionär und neuen Modellen will Europas größter Autohersteller zu alter Stärke zurückfinden. Damit dürften es feindliche Investoren auch in Zukunft schwer haben. Gefahr für den Wolfsburger Autobauer droht höchstens von Innen.

FRANKFURT. Ein Unternehmen, das aus eigener Stärke heraus Übernahmegefahren trotzt, das seine Kapazitäten und Prozesse ständig an internationalen Maßstäben misst, bei dem Management und Mitarbeitervertretung in einem gesunden, ob ihrer unterschiedlichen Interessen distanzierten Verhältnis zueinander stehen: Davon war VW noch vor zwei Jahren weit entfernt. Seither hat sich in Wolfsburg vieles geändert. Das Votum des EU-Generalanwalts, das eine Abschaffung des VW-Gesetzes wahrscheinlich macht, ist ein weiterer Baustein, aus dem einst verächtlich „VEB Wolfsburg“ genannten Konzern VW ein ganz normales Unternehmen zu machen.

Das 47 Jahre alte Gesetz, das aus der Übergangszeit bei VW vom Staats- zum Privatunternehmen stammt, ist kaum noch zu halten. Denn es verstößt nach Meinung der EU gegen die Richtlinien des freien Kapitalverkehrs. Indirekt wird diese Meinung sogar von den Befürwortern des Gesetzes gestützt, die die Regelungen als Schutzschild gegen eine feindliche Übernahme und eine Filetierung retten wollen.

Doch diese Funktion hat das VW-Gesetz verloren. Selbst Christian Wulff, als Ministerpräsident des Großaktionärs Niedersachsen der größte Verfechter der Regelung, das Stimmrecht auf 20 Prozent zu begrenzen, sieht das mittlerweile genauso: „Durch den Einstieg von Porsche bei VW sind negative Folgen nicht mehr zu befürchten, wenn das VW-Gesetz doch fallen sollte“, gab er zu Protokoll.

Tatsächlich hat spätestens der Einstieg der Stuttgarter mit 27,4 Prozent des stimmberechtigten VW-Kapitals einen gesetzlichen Schutzschild überflüssig gemacht. Doch das allein an der Rendite orientierte Porsche-Management, das mit Porsche-Chef Wendelin Wiedeking und dem Porsche-Finanzchef Holger Härter im VW-Aufsichtsrat vertreten ist, hat noch mehr für die Normalisierung von VW getan. Eine eigene „Task Force VW“ bereitet die beiden Aufsichtsräte auf jede Sitzung vor, stellt unangenehme Fragen und weist Alternativen auf. Dieser Einfluss, der nach einer Abschaffung des VW-Gesetzes noch wachsen wird, garantiert nach Meinung von Analysten, dass sich VW in die richtige Richtung bewegt. „Dadurch wird der Weg zu einem profitableren Unternehmen unumkehrbar“, urteilt Georg Stürzer, Analyst der Hypo-Vereinsbank.

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