Ende eines Machtkampfs
Schweizer Traditionskonzern Jelmoli wird aufgespalten

Ab heute hat Opel freie Fahrt. Gemeint ist nicht der angeschlagene Autobauer, sondern der Investor Georg von Opel, ein Nachkömmling der deutschen Autodynastie. Über seine Investmentgesellschaft Pelham wird von Opel die neue Schweizer Beteiligungsgesellschaft Athris, Abkömmling des Traditionskonzerns Jelmoli, kontrollieren.

ZÜRICH. Um dessen Vorherrschaft hatte von Opel jahrelang mit den übrigen Gesellschaftern gerungen.

Das Ergebnis ist die Aufspaltung in zwei unabhängige Unternehmen, die ab heute an der Schweizer Börse notieren. Aus dem 175 Jahre alten Handelskonzern Jelmoli wird so die zweitgrößte Immobiliengesellschaft der Schweiz. Die Mieteinnahmen sollen sich 2009 auf rund 220 Mio. Franken ( 145 Mio. Euro) belaufen.

Der Weg dorthin war nicht nur steinig, sondern auch überaus kompliziert. Mit der Aufspaltung ist ein Aktiensplit der Jelmoli-Inhaberpapiere verbunden sowie die Umwandlung der Inhaber- in Namensaktien und ein Aktienrückkaufprogramm der neuen Investmentfirma Athris.

Von Opel bekommt für die Aufgabe der Kontrollmehrheit an Jemoli über eine Kapitalerhöhung 250 000 Namensaktien, was ihm noch einen Anteil von etwa 18 Prozent garantiert. Zuvor hatte er über Mehrfachstimmrechte mehr als die Hälfte der Stimmen, aber nur gut 28 Prozent des Kapitals. Wichtiger für den deutschen Investor ist jedoch, dass er jetzt bei Athris freie Hand hat. Dort hat er Zugriff auf Barmittel von angeblich bis zu einer Mrd. Franken, Beteiligungen in Russland und Algerien, die Seiler Hotels sowie auf eine Reihe von Handelsgesellschaften. Auf die Beteiligung in Russland wurde allerdings eine Wertberichtigung von 52 Mio. Franken fällig.

"Wir begrüßen diesen letzten Schritt", kommentiert die Privatbank Vontobel die Aufspaltung des Konzerns. Verstrickt in den vorausgegangenen Machtkampf war nicht nur von Opel, sondern auch der Schweizer Handelsunternehmer Walter Fust und vier Hedge-Fonds. Von Opel wollte Jelmoli seit langem in eine Investmentgesellschaft umbauen, fand dafür aber keine Mehrheit im Verwaltungsrat. Verkompliziert wurde die Lage noch durch den gescheiterten Verkauf der Immobiliensparte an ein israelisches Konsortium. Streitpunkt war lange, dass von Opel für seine Jemoli-Anteile eine Kontrollprämie kassiert, während die anderen Anteilseigner in die neue Investmentfirma gezwungen werden.

Torsten Riecke leitet das Ressort Meinung & Analyse. Er befasst sich vor allem mit Wirtschafts- und Finanzthemen.
Torsten Riecke
Handelsblatt / International Correspondent
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