Ende nach zwei Jahren
RWE gibt US-Energiehandel auf

Der Essener Energiekonzern RWE zieht sich nach nur zwei Jahren wieder aus dem US-Energiehandel zurück. RWE werde seine Handelsaktivitäten künftig im Rahmen der strategischen Neuausrichtung auf den europäischen Markt konzentrieren, teilte Deutschlands zweitgrößter Versorger am Dienstag in Essen mit.

HB ESSEN. „Der Rückzug (aus Nordamerika) wird unter ordnungsgemäßer Abwicklung aller laufenden Geschäfte und vertraglichen Verpflichtungen im Laufe des Jahres 2003 durchgeführt“, teilte RWE am Dienstag in Essen mit. In Europa verfüge RWE Trading über eine starke Wettbewerbsposition sowie - anders als in den USA - über eigene Netze und Kraftwerke, hieß es zur Begründung. „Im Gegensatz zu den traditionell weltweit gehandelten Rohstoffen Öl und Kohle sind Strom und Gas netzgebunden und damit regionales Geschäft“, erläuterte der Sprecher von RWE Trading, Ralf Schäfer. Konzernchef Harry Roels habe RWE aber eine grundsätzliche Fokussierung auf Europa und den Handel auf der Basis eigener Netze und Kraftwerke verschrieben.

Die Kohleaktivitäten in Nordamerika würden unter dem Dach der Kohlehandelstochter SSM Coal BV in Rotterdam jedoch weitergeführt, teilte RWE mit.

Mengenmäßig übersteigt das Amerika-Geschäft das Handelsvolumen in Europa. 2002 wurden dort nach Angaben des Trading-Sprechers 107 Terawattstunden (TWH) Strom und 730 Terawattstunden Gas gehandelt. In Europa waren es im selben Jahr 166,5 TWH für Strom und 9,4 TWH in dem im Abau befindlichen Gashandel. Alle laufenden Geschäfte würden abgewickelt und alle vertraglichen Verpflichtungen erfüllt, hieß es von RWE. RWE Trading werde versuchen, die bestehenden Handelsverträge weiterzuverkaufen, sagte deren Sprecher. Ob der Konzern mit einem Erlös oder mit einem Verlust aus dem Energiehandel in Nordamerika aussteige, sei noch nicht absehbar. Am Firmensitz des Trading-Geschäfts im texanischen Houston sind 134 Mitarbeiter beschäftigt.

Analysten werteten den Rückzug aus dem amerikanischen Energiehandel als konsequenten Schritt zur Umsetzung der im Sommer angekündigte neuen Strategie. „Selbst wenn durch die Schließung des Geschäfts in den USA Einmalkosten entstehen, ist es unwahrscheinlich, dass diese ausufern“, sagte ein Analyst.

RWE will sich angeblich von RWE-Gas-Chef trennen

Der Essener RWE-Konzern will sich nach einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zudem von dem Chef seiner Tochtergesellschaft RWE Gas, Manfred Scholle, trennen. Der Vertrag des 57-jährigen Managers werde wegen des Streits um die Umstrukturierung des Konzerns nicht verlängert, schreibt das Blatt. Ein Unternehmenssprecher in Essen wollte den Bericht nicht kommentieren.

Die kommunalen Aktionäre der RWE Gas, die sich bislang der Umstrukturierung widersetzen, haben sich unterdessen am Dienstag zu Beratungen getroffen. Das bestätigte ein Sprecher des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Münster, dessen Direktor Wolfgang Schäfer die Verhandlungen führt. Nähere Einzelheiten wurden zunächst nicht bekannt. Hintergrund der Auseinandersetzung ist die geplante Zusammenlegung des Vertriebs von Strom und Gas, gegen die sich die kommunalen Aktionäre bislang sperren.

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